08.03.2019, 11:14 Uhr

Caracas (AFP) In Venezuela gehen die Lichter aus: Stromausfall stürzt Krisenland in Dunkelheit


Maduro-Regierung spricht von "Sabotage" und "Stromkrieg" der USA

Ein massiver Stromausfall hat fast ganz Venezuela in Dunkelheit gestürzt. 23 der 24 Bundesstaaten des südamerikanischen Krisenlands waren von Donnerstagnachmittag (Ortszeit) an von dem Stromausfall betroffen. Erst knapp acht Stunden später gingen in einigen Gebäuden der Hauptstadt Caracas die Lichter wieder an, wie AFP-Journalisten berichteten. Die Regierung vermutete Sabotage an einem wichtigen Wasserkraftwerk. Der linksnationalistische Präsident Nicolás Maduro bezichtigte die USA eines "Stromkriegs" gegen sein Land.

Stromausfälle gehören in Venezuela nach Jahren des wirtschaftlichen Niedergangs beinahe zum Alltag. Vor allem im Westen des Landes fällt seit Jahren immer wieder der Strom aus. In Caracas und anderen Landesteilen sind die Ausfälle - insbesondere von solch enormem Ausmaß - dagegen eher selten.

Caracas war komplett von dem Stromausfall betroffen, das öffentliche Leben kam zum Stillstand. Handel und Geldgeschäfte waren vielfach nicht mehr möglich, da die meisten Transaktionen elektronisch mit Kartenzahlung erfolgen. Die Hyperinflation hat die Landeswährung Bolívar praktisch entwertet und das Bargeschäft erliegen lassen. Die Telefon- und Internetverbindungen waren gekappt.

In der Hauptstadt fiel der Strom ab spätem Donnerstagnachmittag aus. Es folgte ein Verkehrschaos, weil die U-Bahn und zahlreiche Ampeln ausfielen. Probleme gab es auch am Hauptstadtflughafen Simón Bolívar. Bewohner der Stadt, die wegen der weit verbreiteten Kriminalität als eine der gefährlichsten der Welt gilt, versuchten vor Einbruch der Dunkelheit nach Hause zu kommen.

"Wir sind müde, erschöpft", sagte Estefania Pacheco, die wegen des Stromausfalls zwölf Kilometer von ihrem Büro im Osten der Hauptstadt nach Hause laufen musste. Mit Einbruch der Dunkelheit protestierten Menschen in Caracas lautstark mit Töpfen, Pfannen und Trillerpfeifen gegen die Regierung.

Die linksnationalistische Regierung Maduros und der staatliche Energiekonzern Corpoelec sprachen derweil von einem "Sabotage"-Akt gegen das größte Wasserkraftwerk des Landes, Guri. Die Anlage zählt zu den größten in Lateinamerika. "Das ist Teil des Stromkrieges gegen den Staat", schrieb der Konzern im Kurzbotschaftendienst Twitter. Details zur mutmaßlichen Sabotage-Aktion wurden nicht genannt.

Maduro selbst machte die USA für den Stromausfall verantwortlich. Bei Twitter sprach der Linksnationalist von einem "vom amerikanischen Imperialismus angekündigten und geführten Stromkrieg gegen unser Volk". Dieser werde scheitern. "Patrioten, vereinigt Euch", forderte er. Bislang hatte Maduro der USA regelmäßig einen "Wirtschaftskrieg" vorgeworfen, den er als Grund für die schlechte Verfassung seines Landes sieht.

Vize-Präsidentin Delcy Rodríguez machte "extremistische Sektoren" für die "großangelegte Attacke" verantwortlich. Sie versicherte, der Strom sei in einigen östlichen Bundesstaaten wieder verfügbar.

Maduro hatte die Streitkräfte vor einem Jahr angewiesen, die Wasserkraftwerke des Landes zu sichern. Die Stromausfälle halten dennoch an. Auf Fotos bei Twitter waren am Donnerstagabend Soldaten vor der Anlage Guri zu sehen, was Zweifel an ihrer Effektivität aufkommen ließ.

Die Behörden in dem unter einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise leidenden Venezuela sprechen bei Stromausfällen regelmäßig von Sabotage. Kritiker werfen der sozialistischen Regierung dagegen vor, nicht ausreichend in den Unterhalt der Infrastruktur zu investieren.

Der selbsternannte Übergangspräsident Juan Guaidó twitterte: "Chaos, Unruhe, Empörung." Die Panne zeige "die Unfähigkeit des Usurpators", schrieb er mit Blick auf Maduro.

US-Außenminister Mike Pompeo schrieb auf Twitter, "Stromausfälle und Hungern" seien "das Ergebnis der Inkompetenz des Maduro-Regimes".


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