05.03.2019, 16:36 Uhr

Tokio (AFP) Gericht: Inhaftierter Automanager Ghosn darf Gefängnis auf Kaution verlassen

Carlos Ghosn. Quelle: AFP/Archiv/ERIC PIERMONT (Foto: AFP/Archiv/ERIC PIERMONT)Carlos Ghosn. Quelle: AFP/Archiv/ERIC PIERMONT (Foto: AFP/Archiv/ERIC PIERMONT)

Einspruch der Staatsanwaltschaft abgelehnt - Freilassung womöglich am Mittwoch

Der seit November in Japan inhaftierte Automanager Carlos Ghosn kann womöglich bereits am Mittwoch das Gefängnis verlassen. Das zuständige Gericht in Tokio wies am Dienstagabend einen Einspruch der Staatsanwaltschaft zurück und genehmigte damit die Freilassung des 64-Jährigen gegen Auflagen, wie japanische Medien berichteten. Demnach darf Ghosn das Gefängnis verlassen, sobald die Kaution in Höhe von umgerechnet acht Millionen Euro hinterlegt ist.

Ghosns Verteidiger hatten bereits mehrfach versucht, ihren Mandanten gegen Zahlung einer Kaution frei zu bekommen. Sie scheiterten bislang aber damit, weil das Gericht Fluchtgefahr sah und fürchtete, Ghosn könne Beweise vernichten.

Mitte Februar wechselte der Automanager sein Anwaltsteam aus und sein Hauptverteidiger Junichiro Hironaka stellte erneut einen Antrag auf Freilassung. Im Gegenzug schlug Hironaka neben der Kaution auch eine strikte Überwachung von Ghosn vor.

Am Dienstag stimmte das Gericht in Tokio dem Antrag zunächst zu und ordnete die Freilassung auf Kaution an. Zudem ordnete es an, dass Ghosn das Land nicht verlassen darf. Gegen die Gerichtsentscheidung legte jedoch die Staatsanwaltschaft Widerspruch ein. Diesen wiederum wies das Gericht am Dienstagabend (Ortszeit) zurück.

Hironaka sagte, es sei wegen der Öffnungszeiten der Banken nicht möglich, das Geld noch am Dienstag aufzutreiben. Die Freilassung könnte also am Mittwoch anstehen. Theoretisch hat die Staatsanwaltschaft allerdings noch die Möglichkeit, weitere Anklagepunkte zu erheben und damit die Untersuchungshaft von Ghosn zu verlängern.

Der mächtige Automanager war am 19. November überraschend in Japan festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem vor, jahrelang ein zu niedriges Einkommen bei Nissan deklariert und persönliche Verluste auf den Autobauer übertragen zu haben.

Der einstige Vorzeigemanager, der auch jahrelang beim französischen Autobauer Renault die Geschicke lenkte, bestreitet die Vorwürfe und sieht sich als Opfer einer Verschwörung. Er bekräftigte nun erneut, er sei unschuldig: In einer verbreiteten Erklärung dankte er seiner Familie und seinen Freunden für die Unterstützung während der "furchtbaren" Zeit in Untersuchungshaft. Er sei absolut entschlossen, sich im Prozess zu verteidigen, erklärte er.


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