05.03.2019, 15:59 Uhr

Berlin (AFP) Trauer um früheren Bundesaußenminister Kinkel

Kinkel im Jahr 2010. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Julian Stratenschulte (Foto: dpa/AFP/Archiv/Julian Stratenschulte)Kinkel im Jahr 2010. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Julian Stratenschulte (Foto: dpa/AFP/Archiv/Julian Stratenschulte)

Ex-FDP-Chef im Alter von 82 Jahren gestorben

Trauer um Klaus Kinkel: Der frühere Bundesaußenminister und FDP-Chef ist nach Parteiangaben vom Dienstag im Alter von 82 Jahren gestorben. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Kinkel als "leidenschaftlichen Europäer mit Weitblick und Besonnenheit". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lobte ihn als "kompromisslosen Streiter für Freiheit und Demokratie", FDP-Chef Christian Lindner nannte den Ex-Minister einen Staatsdiener "im besten Sinne des Wortes".

Kinkel war von 1992 bis 1998 Außenminister, von 1993 bis 1995 hatte er zusätzlich den FDP-Vorsitz inne. Kinkel habe das friedliche Zusammenwachsen Europas vorangetrieben und als überzeugter Liberaler für Freiheit und Menschenrechte gekämpft, schrieb Steinmeier am Dienstag in einem Kondolenztelegramm an die Witwe Ursula Kinkel. Deutschland verliere "eine herausragende Persönlichkeit in der Geschichte unseres Landes".

"Ich trauere um einen treuen Weggefährten aus der Zeit nach der deutschen Wiedervereinigung", ließ Merkel erklären. "Klaus Kinkel war ein großer Liberaler."

"Wir verlieren mit ihm einen väterlichen Freund", erklärte FDP-Chef Lindner. "Er war uns bis in diese Tage ein weiser und bisweilen leidenschaftlicher Ratgeber - dabei war er immer loyal und diskret." Kinkel habe "für unser Land und unsere Partei mehr bewirkt, als öffentlich mitunter wahrgenommen wurde", fügte Lindner hinzu.

Kinkel wurde 1979 für vier Jahre Präsident des Bundesnachrichtendiensts, bevor er 1991 als Justizminister ins Bundeskabinett unter dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) wechselte. 1992 übernahm er von seinem langjährigen Weggefährten Hans-Dietrich Genscher das Außenamt. Nach dem Ende der schwarz-gelben Koalition 1998 gehörte er noch vier Jahre lang dem Bundestag an.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) erklärte, Kinkel habe "sehr viel dazu beigetragen, dass dieses wiedervereinigte Deutschland seinen Platz in der Welt gefunden hat". Auch in schwierigen Zeiten habe Kinkel seine Überzeugungen aufrecht vertreten. "Er hatte Haltung und ist seinen Grundwerten stets treu geblieben - er stand für ein weltoffenes, liberales Deutschland, das in der internationalen Gemeinschaft fest verankert ist."

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) lobte Kinkel als "besonnenen Außenpolitiker". Er schrieb in einem Kondolenzbrief an Kinkels Witwe: "Als nach dem Fall des Eisernen Vorhangs die Beziehungen zwischen West und Ost auf dem Kontinent neu geknüpft wurden, hat Ihr Mann als Außenminister und Vizekanzler in besonderer Weise dazu beigetragen, international Vertrauen aufzubauen."

Die Grünen-Chefs Annalena Baerbock und Robert Habeck erklärten, mit Kinkel verliere Deutschland "einen versierten Außenpolitiker und aufrechten Verteidiger von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit". Nach der Wiedervereinigung habe er Deutschlands Rolle in Europa und der Welt entscheidend mitgestaltet.


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