03.03.2019, 13:30 Uhr

Seoul (AFP) USA und Südkorea wollen auf gemeinsame Großmanöver verzichten

USA und Südkorea wollen gemeinsame Großmanöver beenden. Quelle: AFP/Archiv/Ed Jones (Foto: AFP/Archiv/Ed Jones)USA und Südkorea wollen gemeinsame Großmanöver beenden. Quelle: AFP/Archiv/Ed Jones (Foto: AFP/Archiv/Ed Jones)

Trump verteidigt sich nach scharfer Kritik an seinen Warmbier-Äußerungen

Trotz des gescheiterten Gipfels von Hanoi haben die USA und Südkorea ein Zeichen der Entspannung an Nordkorea gesendet. Die beiden Verbündeten verzichteten auf ihre von Pjöngjang scharf kritisierten gemeinsamen Großmanöver, wie das südkoreanische Verteidigungsministerium am Sonntag mitteilte. Washington und Seoul wollen so die diplomatischen Bemühungen um eine Denuklearisierung Nordkoreas unterstützen. In den USA verteidigte sich Präsident Donald Trump derweil gegen massive Kritik an seinen Äußerungen zum Fall des nach nordkoreanischer Haft gestorbenen Studenten Otto Warmbier.

Die Ankündigung der Großmanöver-Einstellungen bedeutet das vorläufige Ende der jährlich zusammen mit den USA durchgeführten Übungen "Foal Eagle" und "Key Resolve". Nach Angaben des Pentagon verständigten sich US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan und sein südkoreanischer Kollegen Jeong Kyeong Doo am Samstag in einem Telefonat auf den Schritt. Ziel sei es, die Verhandlungen über eine Beendigung des nordkoreanischen Atomprogramms voranzutreiben und zum Abbau der militärischen Spannungen beizutragen, erklärte das südkoreanische Verteidigungsministerium.

Zugleich kündigten die USA und Südkorea eine neue "abgeänderte" Militärübung an, die bereits am Montag beginnen soll. Das neuntägige Manöver solle weitgehend defensiver Natur sein, sagte ein Vertreter des südkoreanischen Militärs. Wie viele Soldaten daran teilnehmen, blieb zunächst unklar.

Die USA und Südkorea halten seit Jahren gemeinsame Großmanöver ab. Nordkorea betrachtet diese als Provokation und Vorbereitung einer Invasion. "Foal Eagle" war das größte gemeinsame Manöver der beiden Verbündeten. In der Vergangenheit beteiligten sich 200.000 südkoreanische Soldaten und rund 30.000 US-Einsatzkräfte daran. Die Übung "Key Resolve" wurde größtenteils am Computer simuliert.

Die Ankündigung zur Beendigung der Militärmanöver erfolgte kurz nach dem zweiten Gipfel zwischen Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un. Das Treffen war am Donnerstag ohne Einigung abgebrochen worden.

Kim stattete Vietnam im Anschluss an den Gipfel einen zweitägigen Besuch ab. Am Samstag brach er im olivgrünen Panzerzug wieder in Richtung Heimat auf. Vom nordvietnamesischen Bahnhof Dong Dang sollte die 4000 Kilometer lange Reise über China nach Pjöngjang führen.

Zuvor hatte Kim in Hanoi vor dem Betondenkmal für den 1969 verstorbenen vietnamesischen Präsidenten und Revolutionsführer Ho Chi Minh einen Kranz niederlegt. Er war der erste nordkoreanische Machthaber seit mehr als fünf Jahrzehnten, der Vietnam besuchte.

In den USA wies Trump derweil die massive Kritik an seinen Äußerungen zum Fall des mutmaßlich in Nordkorea gefolterten US-Studenten Warmbier zurück. Er sei "missverstanden" worden, schrieb er am Freitag im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Trump hatte in Hanoi nach eigenen Angaben mit Kim über Warmbier gesprochen und den nordkoreanischen Machthaber anschließend in Schutz genommen. Kim "sagt mir, dass er nichts darüber wusste, und ich nehme ihn beim Wort", erklärte der US-Präsident.

Vertreter der Demokraten und die Eltern Warmbiers hatten Trump daraufhin scharf angegriffen. Vor diesem Hintergrund bemühte sich Trump um Beschwichtigung: "Natürlich mache ich Nordkorea verantwortlich für Ottos Misshandlung und seinen Tod", schrieb er nun, allerdings ohne auf die Rolle Kims einzugehen.

Warmbier war während einer Nordkorea-Reise Anfang 2016 wegen des angeblichen Diebstahls eines Propaganda-Posters zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden. In nordkoreanischer Haft fiel er unter ungeklärten Umständen ins Koma und wurde schließlich von Nordkorea freigelassen. Wenige Tage nach seinem Rücktransport in die USA im Juni 2017 starb Warmbier.

Ein US-Gericht kam zu dem Schluss, dass der 22-Jährige in Nordkorea gefoltert wurde. Pjöngjang hatte dagegen jegliche Misshandlung Warmbiers bestritten.


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