27.02.2019, 07:14 Uhr

Berlin (AFP) Deutsche Autobauer verzeichnen erstes Umsatzminus seit 2009

Neuwagen in Bremerhaven. Quelle: dpa/AFP/Ingo Wagner (Foto: dpa/AFP/Ingo Wagner)Neuwagen in Bremerhaven. Quelle: dpa/AFP/Ingo Wagner (Foto: dpa/AFP/Ingo Wagner)

Exporte brechen im zweiten Halbjahr ein - Asien rettet Bilanz

Der Umsatz der deutschen Autobauer ist 2018 um 0,2 Prozent gesunken. Im Jahr zuvor lag das Umsatzwachstum noch mit 4,5 Prozent im Plus, wie eine am Mittwoch veröffentlichte Analyse der Beratungsgesellschaft EY zeigt. Demnach konnten die Zulieferer ihre Umsätze immerhin noch um 2,1 Prozent steigern.

Insgesamt wuchsen die Umsätze damit minimal um 0,4 Prozent auf knapp 425 Milliarden Euro. Besonders im zweiten Halbjahr entwickelte sich die gesamte Industrie schwach, Verkaufszahlen und Exporte brachen ein. Insgesamt entwickelten sich die Ausfuhren der Automobilindustrie am Standort Deutschland rückläufig: Das Volumen der Exporte sank im Vergleich zu 2017 um 2,3 Prozent auf rund 230 Milliarden Euro. Dies stellt den stärksten Exportrückgang seit dem Krisenjahr 2009 dar.

Dazu trug besonders die negative Entwicklungen in den wichtigen Märkten USA und Großbritannien bei. Dorthin gingen die Ausfuhren um fünf bzw. zehn Prozent zurück. "Der Handelsstreit zwischen den USA und China belastete die Weltkonjunktur", sagt Constantin Gall, der bei EY für den Automobil- und Transportbereich verantwortlich ist. Auf dem europäischen Markt habe das neue Abgas-Prüfverfahren WLTP sogar für Produktionsstopps und Lieferengpässe gesorgt.

Lediglich die asiatischen Märkte, insbesondere China, retteten der deutschen Autoindustrie halbwegs die Bilanz. Die Volksrepublik stieg mit einem Plus von 14 Prozent zum zweitwichtigsten Exportmarkt der deutschen Autoindustrie auf.

Trotz der schwachen Umsatzentwicklung stieg die Zahl der Beschäftigten in der Branche um 1,7 Prozent auf ein Rekordniveau. Im Jahresdurchschnitt arbeiteten 834.000 Menschen in der deutschen Automobilindustrie.

Laut EY beruht das Beschäftigungswachstum allerdings auf Sondereffekten und ist deshalb nicht nachhaltig. "Die Umrüstung vieler Fabriken auf die Elektromobilität führte zu einem erhöhten Personalbedarf, der aber nur vorübergehend sein dürfte", sagt EY-Automobilexperte Peter Fuß. Die Unternehmen würden ihre Produktion in Zukunft wohl stärker digitalisieren und automatisieren.

Für 2019 erwartet die Wirtschaftsberatung ein schwieriges Jahr für die Branche. Neue Bestimmungen innerhalb des WLTP-Verfahrens, drohende US-Sonderzölle auf europäische Autos und ein ungeordneter Brexit könnten die Industrie weiter schwächen.


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