25.02.2019, 12:10 Uhr

Hollywood (AFP) "Green Book" gewinnt Oscar für den besten Film


Mexikaner Cuarón räumt mit "Roma" drei andere wichtige Preise ab

Ein Überraschungssieger und große Vielfalt bei den Oscars: "Green Book", die Tragikomödie über die Rassendifferenzen in den USA, ist mit dem Hauptpreis für den besten Film ausgezeichnet worden. Das Werk von Peter Farrelly setzte sich am Sonntagabend (Ortszeit) bei der Gala in Hollywood unter anderem gegen den Favoriten "Roma" des Mexikaners Alfonso Cuarón durch. Die Darstellerpreise gingen an ein Einwandererkind, eine Britin und zwei Afroamerikaner.

Überraschend kam der Triumph von "Green Book - Eine besondere Freundschaft" auch deshalb, weil der Film stark umstritten ist. Afroamerikanische Kritiker werfen den Machern eine "weiße Perspektive" auf die zur Zeit der Rassentrennung angesiedelte Geschichte vor. Der weiße US-Regisseur Farrelly sagte bei der Entgegennahme der Oscar-Trophäe, sein Film handle davon, wie "Liebe" die Differenzen zwischen den Menschen überwinde.

Die auf wahren Begebenheiten beruhende Tragikomödie erzählt von einem afroamerikanischen Jazzpianisten, der mit einem italo-amerikanischen Fahrer in den sechziger Jahren in den Südstaaten auf Tournee unterwegs ist und sich trotz gegenseitiger Vorurteile mit ihm anfreundet.

"Green Book" holte insgesamt drei Oscars, darunter für das beste Original-Drehbuch. Der Afroamerikaner Mahershala Ali bekam für seine Rolle als der Pianist Don Shirley schon zum zweiten Mal den Nebendarsteller-Oscar.

Für den Favoriten Cuarón verlief der Abend aber keineswegs enttäuschend: "Roma" holte die drei wichtigen Preise für die Regie, die Kamera und das beste nicht-englischsprachige Werk. Sein Schwarz-Weiß-Film um eine indigene Haushälterin in den 70er Jahren in Mexiko-Stadt ist stark von Cuaróns Kindheitserlebnissen geprägt.

Wie seine Hauptfigur seien "70 Millionen Haushaltsbedienstete in der Welt" durch keinerlei Arbeitsrechte geschützt, sagte der Regisseur. Gedreht hatte er "Roma" für den Streamingdienst Netflix, für den die drei Oscars einen Riesenerfolg in seinem Wettbewerb mit der traditionellen Filmproduktionsbranche sind.

In der Sparte des fremdsprachigen Films stach "Roma" unter anderem Florian Henckel von Donnersmarcks "Werk ohne Autor" aus. 2006 hatte der deutsche Regisseur mit dem Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" den Oscar gewonnen.

Den Preis für den besten Schauspieler in einer Hauptrolle holte Rami Malek für seine Darbietung in "Bohemian Rhapsody" über die legendäre britische Rockband Queen. Der ägyptischstämmige US-Schauspieler spielt darin den 1991 an den Folgen von Aids gestorbenen Frontmann Freddie Mercury.

Malek setzte sich unter anderen gegen Christian Bale durch, der mit seiner Rolle als früherer US-Vizepräsident Dick Cheney in "Vice" von vielen als Favorit gesehen worden war.

Eine faustdicke Überraschung war die Auszeichnung der Britin Olivia Colman als beste Hauptdarstellerin. Geehrt wurde sie für ihre Rolle als die britische Königin Anne in "The Favourite - Intrigen und Irrsinn". Als große Favoritin war ihre US-Kollegin Glenn Close ("Die Frau des Nobelpreisträgers") ins Rennen gegangen, die nun schon sieben Mal für einen Oscar nominiert war und immer leer ausging.

Die dieses Jahr ausgezeichneten Filme reichten von Arthouse-Produktionen bis zu Blockbuster-Filmen wie "Spider-Man: A New Universe" oder "Black Panther". "Ich denke, die Nominierten heute Abend haben bewiesen, dass wir alle Teil des selben Ozeans sind", sagte Preisträger Cuarón dazu.

Zu den musikalischen Höhepunkten der Show im Dolby Theatre gehörte gleich zu Beginn ein Auftritt von Queen mit den Klassikern "We Will Rock You" und "We Are The Champions". Mercurys Part übernahm dabei der US-Sänger Adam Lambert, der seit einigen Jahren mit zwei der ursprünglichen Band-Mitgliedern auf Tour geht.

Den romantischen Gegenakzent zu Queen setzten Lady Gaga und Bradley Cooper, die inbrünstig den Hit "Shallow" aus dem Musikfilm "A Star Is Born" vortrugen. Lady Gaga bekam für das Lied auch einen Oscar und bedankte sich dafür unter Tränen. Einen Moderator hatte die Oscar-Show dieses Jahr nicht und so wurde nur 15 Minuten überzogen.


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