24.02.2019, 14:45 Uhr

Peking (AFP) Nordkoreas Machthaber mit dem Zug nach Vietnam aufgebrochen


Trump attestiert Nordkorea vor Gipfel großes wirtschaftliches Potenzial

Das zweite Gipfeltreffen zwischen Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump wirft seine Schatten voraus: Während Kim sich am Sonntag mit dem Zug auf den Weg nach Vietnam machte, hob Trump erneut das große wirtschaftliche Potenzial eines atomwaffenfreien Nordkoreas hervor. Das Treffen der beiden findet am Mittwoch und Donnerstag in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi statt. Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA mahnte den US-Präsidenten, diese "seltene historische Chance" zu nutzen.

KCNA berichtete, Kim habe den Bahnhof der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang am Samstag nach einer Verabschiedung durch eine Ehrengarde verlassen. Ein offizielles Foto von der Abfahrt zeigte Kim winkend in einer Tür des gepanzerten Sonderzugs.

Die fast 4000 Kilometer lange Fahrt nach Vietnam könnte rund 60 Stunden dauern. Am Samstagabend überquerte der grüne Zug in Dandong die Grenze nach China, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap und die Website NK News berichteten. Die Route ist allerdings streng geheim.

Über Kims Reisepläne war seit Tagen spekuliert worden. Im Juni vergangenen Jahres hatten er Trump erstmals in Singapur getroffen. Damals hatten beide sich auf eine "Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel" verständigt, ohne zu klären, was genau darunter zu verstehen sei und wie sie erreicht werden könne.

US-Präsident Trump erklärte am Vorabend seiner Abreise nach Hanoi, Nordkorea könne eine der "großen Wirtschaftsmächte" der Welt werden, wenn es sein Atomwaffenarsenal aufgebe. Wegen seiner Lage, seiner Bevölkerung und Kim habe Nordkorea "mehr Potenzial für schnelles Wachstum als jede andere Nation", schrieb Trump im Kurzbotschaftendienst Twitter. Das wisse Kim "vielleicht besser als jeder anderer".

In einer Reihe von Tweets bekräftigte der US-Präsident zudem sein "großartiges Verhältnis zum Vorsitzenden Kim". Beide würden eine Weiterführung der Fortschritte vom letzten Gipfel erwarten, schrieb Trump und fügte fragend hinzu: "Denuklearisierung?"

KCNA warnte unterdessen vor einem Scheitern des Gipfels. Sollte das Treffen in Hanoi ohne Ergebnisse bleiben, "wird das US-Volk nie frei von den Sicherheitsbedrohungen sein".

Vor dem Gipfel wird Kim in Vietnam zu einem offiziellen Staatsbesuch empfangen, wie die das Außenministerium in Hanoi am Samstag angekündigt hatte. Bei seiner Zugreise wird Kim laut KCNA von dem General Kim Yong Chol begleitet, der als rechte Hand des Machthabers gilt und im Januar von Trump im Weißen Haus in Washington empfangen worden war.

In der Grenzstadt Dandong im Nordosten Chinas galten am Abend strenge Sicherheitsvorkehrungen. Die Polizei sperrte die Brücke über den Grenzfluss ab und schickte einen AFP-Korrespondenten weg. Ein Hotel an der Brücke wurde kurzfristig für Renovierungsarbeiten geschlossen.

Unklar war zunächst, ob Kim einen Zwischenstopp in Peking einlegt. Am Bahnhof gab es allerdings keine erhöhten Sicherheitsvorkehrungen, was darauf hindeutet, dass der nordkoreanische Machthaber zumindest auf der Hinfahrt nicht in der chinesischen Hauptstadt hält.


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