21.02.2019, 14:39 Uhr

Beirut (AFP) Hilfsappell für tausende ausländische Dschihadistenkinder in Syrien

Flüchtlingslager in Syrien. Quelle: AFP/Archiv/BULENT KILIC (Foto: AFP/Archiv/BULENT KILIC)Flüchtlingslager in Syrien. Quelle: AFP/Archiv/BULENT KILIC (Foto: AFP/Archiv/BULENT KILIC)

Trump verweigert Rücknahme von gefangener US-Dschihadistin

Während im Westen kontrovers über den Umgang mit in Syrien gefangenen Dschihadisten diskutiert wird, drängt eine Hilfsorganisation zur Eile: Mehr als 2500 Kinder von mutmaßlichen IS-Anhängern aus 30 Ländern lebten in Lagern der syrischen Kurden unter "lebensbedrohlichen" Umständen, erklärte Save the Children am Donnerstag und rief die Heimatstaaten auf, die Sicherheit ihrer Bürger zu garantieren. US-Präsident Donald Trump lehnte derweil die Rücknahme einer US-Dschihadistin ab.

In den Flüchtlingslagern im Nordosten Syriens würden angesichts des Winterwetters dramatische Zustände herrschen, mit "lebensbedrohlichen Risiken" für die Kinder, warnte Save the Children. Die meisten der mehr als 2500 Kindern mutmaßlicher Anhänger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) lebten mit ihren Müttern, doch 38 seien unbegleitet.

Unter den Kindern sind demnach Deutsche, Franzosen, Belgier, Schweizer, Niederländer und weitere Europäer. Die Kinder hätten schon monate- oder jahrelang nicht genug zu Essen und keine ausreichende medizinische Versorgung gehabt. Sie würden professionelle Hilfe benötigen, forderte die Organisation, die in drei Lagern aktiv ist. Die Heimatstaaten der Kinder müssten diese und ihre Familien zurückholen, sie integrieren und den Erwachsenen gegebenenfalls einen fairen Prozess machen.

Angesichts der erwarteten Rückkehr von Kindern von IS-Anhängern nach Deutschland forderte eine deutsche Islamismusexpertin deutlich mehr Kompetenzen für die Jugendämter. "Wenn Kinder in einem Terrorgebiet waren, sie von ihren Eltern dort hingebracht und dort aufgezogen wurde, sollte das pauschal zu einem Prüffall für das Jugendamt werden", sagte Claudia Dantschke von der Organisation Hayat der Nachrichtenagentur AFP. Sie forderte dafür eine Reform des Jugendschutzgesetzes.

Dantschke begrüßte zwar die Forderung von Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU), spezielle Hilfen für Kinder von deutschen Dschihadisten anzubieten. Die Familien könnten aber nicht zu Hilfen gezwungen werden. "Jugendämter können nicht einfach losmarschieren und Familien besuchen. Sie brauchen eine rechtliche Handhabe." Reul hatte durchblicken lassen, dass die Jugendämter auch Unterstützung durch spezielle Aussteigerprogramme für Islamisten bekommen könnten. Hayat bietet Deradikalisierungshilfen an.

US-Präsident Donald Trump hatte europäische Staaten aufgefordert, gefangene ausländische IS-Kämpfer zurückzuholen und ihnen den Prozess zu machen. Allerdings verweigerte Trump am Mittwoch seinerseits die Rücknahme einer jungen Dschihadistin, die laut ihrer Familie in den USA geboren wurde und die US-Staatsbürgerschaft besitzt. Die 24-jährige Hoda Muthana hatte im Internet zum Mord an US-Bürgern aufgerufen und die IS-Miliz glorifiziert.

Trump schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter, er habe seinen Außenminister Mike Pompeo "angewiesen", Muthana "nicht zurück ins Land zu lassen". Pompeo hatte zuvor erklärt, Muthana sei "keine US-Bürgerin". Sie werde nicht in die USA hineingelassen, da sie keine "rechtliche Grundlage" für die Rückkehr habe. Sie habe weder einen gültigen US-Reisepass noch einen Anspruch darauf, erklärte Pompeo. Auch verfüge sie über kein US-Visum.

Muthanas Anwalt Hassan Shibly sagte dagegen, sie sei 1994 im US-Bundesstaat New Jersey geboren worden, sei US-Bürgerin und habe einen gültigen Reisepass. Wer in den USA geboren wird, erhält im Normalfall die US-Staatsbürgerschaft. Der Pass ist ein bloßes Reisedokument, und seine absichtliche physische Vernichtung reicht für den Verlust der Staatsbürgerschaft nicht aus. Muthana soll vor einigen Jahren ihren Pass verbrannt haben.

Unterdessen bemühte sich die kurdisch-arabische Allianz Syrische Demokratische Kräfte (SDF) weiter, die verbleibenden Zivilisten aus der letzten IS-Bastion im Osten Syriens zu holen. Am Mittwoch hatten sie in zehn Lastwagen hunderte Männer, Frauen und Kinder aus dem Dorf Baghus an der irakischen Grenze gebracht. Vertreter der irakischen Sicherheitskräfte sagten, 130 irakische Dschihadisten seien von den SDF-Kämpfern an den Irak übergeben worden.


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