17.02.2019, 12:11 Uhr

Berlin (AFP) Goldener Bär bei 69. Berlinale geht an "Synonyme" von Israeli Nadav Lapid

Regisseur Nadav Lapid nimmt den Goldenen Bären entgegen. Quelle: AFP/John MACDOUGALL (Foto: AFP/John MACDOUGALL)Regisseur Nadav Lapid nimmt den Goldenen Bären entgegen. Quelle: AFP/John MACDOUGALL (Foto: AFP/John MACDOUGALL)

Zwei deutsche Regisseurinnen beim Filmfestival in der Hauptstadt ausgezeichnet

Der israelische Regisseur Nadav Lapid ist von der Berlinale-Jury für seinen Film "Synonyme" mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet worden. Lapid sagte bei der Preisverleihung am Samstagabend, sein Film um einen nach Frankreich ausgewanderten Israeli könne in seinem Heimatland einen "Skandal" auslösen. Zum Abschluss der 69. Berlinale wurden auch die beiden deutschen Regisseurinnen Angela Schanelec und Nora Fingscheidt ausgezeichnet.

Die israelisch-französisch-deutsche Koproduktion "Synonyme" handelt von dem jungen Israeli Yoav, der nach Paris zieht und so schnell wie möglich seine Nationalität loswerden will. Basierend auf eigenen Erfahrungen erzählt Lapid von der Schwierigkeit, neue Wurzeln zu bilden: Auch der 1975 in Tel Aviv geborene Regisseur und Drehbuchautor zog nach seinem Militärdienst vorübergehend in die französische Hauptstadt.

Der Silberne Bär für die beste Regie ging an Angela Schanelec, Regisseurin von "Ich war zuhause, aber". Das Drama "Systemsprenger" über eine widerspenstige Neunjährige von Nora Fingscheidt erhielt den Alfred-Bauer-Preis für einen Film, der neue Perspektiven der Filmkunst eröffnet.

Schanelec und Fingscheidt sind zwei von sieben Frauen, deren Filme im Wettbewerb liefen. Mit mehr als 41 Prozent war die Quote an Filmemacherinnen bei der diesjährigen Berlinale im Vergleich zu anderen internationalen Festivals hoch.

Die beiden Filme waren zwei von drei deutschen Produktionen, die um den Goldenen und die Silbernen Bären konkurrierten. Fatih Akins "Der goldene Handschuh" über einen Frauenmörder ging leer aus.

Insgesamt verlieh die sechsköpfige Jury unter der Leitung der französischen Schauspielerin Juliette Binoche sieben Silberne Bären. Der Film "Di jiu tian chang" ("So Long, My Son") über die Folgen der Ein-Kind-Politik in China erhielt gleich zwei: Die beiden Hauptdarsteller Wang Jingchun und Yong Mei wurden als bester Darsteller und beste Darstellerin ausgezeichnet.

Der Silberne Bär für das beste Drehbuch ging an den italienischen Film "La paranza dei bambini" ("Piranhas") über kriminelle Jugendliche in Neapel. "In unserem Land die Wahrheit zu sagen, ist heute sehr komplex geworden", sagte Roberto Saviano. Der Mafia-Experte schrieb das Drehbuch gemeinsam mit Regisseur Claudio Giovannesi und Maurizio Braucci.

Der französische Film "Grâce à dieu" ("Gelobt sei Gott") über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche wurde mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet. Die Kameraführung des norwegischen Films "Ut og stjaele hester" ("Pferde stehlen") zeichnete die Jury für seine herausragende künstlerische Leistung aus.

Die Preisverleihung im Berlinale-Palast am Potsdamer Platz begann mit stehenden Ovationen zu Ehren des Schauspielers Bruno Ganz, der am Samstagmorgen im Alter von 77 Jahren in Zürich gestorben war. Der Schweizer war im vergangenen Jahr ein letztes Mal auf der Berlinale zu Gast gewesen, als der Klassiker "Der Himmel über Berlin" in restaurierter Fassung erneut gezeigt wurde. "Jetzt ist er wirklich im Himmel über Berlin", erklärte Kosslick zum Tod des Schauspielers.

Für Kosslick gab es ebenfalls stehende Ovationen: Es war die letzte Berlinale unter seiner Leitung. Nach 18 Jahren übergibt er das Filmfestival im kommenden Jahr an eine Doppelspitze aus dem Italiener Carlo Chatrian und der Niederländerin Mariette Rissenbeek.


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