17.02.2019, 09:23 Uhr

Paris (AFP) Erneut zehntausende "Gelbwesten" in Frankreich auf den Straßen

Erneut Proteste der "Gelbwesten" in Frankreich. Quelle: AFP/Eric FEFERBERG (Foto: AFP/Eric FEFERBERG)Erneut Proteste der "Gelbwesten" in Frankreich. Quelle: AFP/Eric FEFERBERG (Foto: AFP/Eric FEFERBERG)

Proteste bleiben überwiegend friedlich - Teilnehmerzahl weiter rückläufig

Drei Monate nach Beginn der "Gelbwesten"-Proteste in Frankreich sind in der Hauptstadt Paris und anderen Städten erneut zehntausende Menschen gegen die Regierung auf die Straße gegangen. Anders als bei früheren Protestmärschen, die von massiver Gewalt geprägt waren, blieb es am Samstag in Paris überwiegend friedlich. In Bordeaux kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei.

Die Proteste waren am 17. November durch Pläne zur Erhöhung der Treibstoffsteuer ausgelöst worden und fanden am Samstag das 14. Mal in Folge statt. Wie das Innenministeriums am Abend mitteilte, gingen landesweit 41.500 Menschen auf die Straßen, davon 5000 in Paris.

Dies waren deutlich weniger Demonstranten als an den vorhergehenden Samstagen: Vergangene Woche hatten landesweit noch 51.400 Menschen an den Protesten teilgenommen. Bei den größten "Gelbwesten"-Protesten waren es 282.000 Demonstranten gewesen.

Die "Gelbwesten"-Bewegung stellte die amtlichen Zahlen ein weiteres Mal in Frage: "Wir sind 15.000, das heißt, die Bewegung wird wieder stärker", sagte Jérôme Rodrigues bei den Protesten in Paris. Er wurde zu einem Symbol der Polizeigewalt gegen die "Gelbwesten", seitdem er Ende Januar bei einer Demonstration in Paris ein Auge verloren hatte.

In der Hauptstadt verliefen die Proteste an diesem Samstag ohne größere Zwischenfälle. Bei einem antisemitischen Vorfall wurde der französische Philosoph Alain Finkielkraut beleidigt. Innenminister Christophe Castaner verurteilte dies im Kurzbotschaftendienst Twitter.

In Bordeaux im Südwesten des Landes versammelten sich nach Angaben der Polizei rund 5000 "Gelbwesten". Dort setzte die Polizei zum Ende der Kundgebung Wasserwerfer und Tränengas gegen die Demonstranten ein.

"Viele Leute kommen nicht oder nicht mehr, weil sie die Bilder sehen, sie haben Angst", sagte die 42-jährige Virginie in Bordeaux. "Ich habe viele Freunde, die lieber zu Hause bleiben, aber immer noch die Bewegung unterstützen."

In Toulouse gingen mehrere tausend Menschen auf die Straße, dort kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Auch in Lille, Caen, Grenoble, Straßburg und Rennes protestierten jeweils zwischen hundert und tausend "Gelbwesten".

"Ich war bei zwölf der 14 Male dabei. Ich halte dieses verfaulte System nicht länger aus", sagte der 44-jährige Christophe vor Beginn des Protestmarschs in Paris, der die Champs Elysées hinab über die Seine führte.

Die Krankenschwester Marion hat nach eigenen Angaben ebenfalls an fast allen Demonstrationen teilgenommen. Die von Präsident Emmanuel Macron eingeleitete "große Debatte" bezeichnete sie als "Sand in den Augen". "Wir werden daran nicht teilnehmen", sagte sie.

Viele "Gelbwesten" werfen dem Staatschef eine Politik für die Reichen und die Missachtung der sozial Schwächeren vor. Unter dem Druck der Proteste beschloss Macron eine Reihe von Reformen und leitete eine nationale Debatte ein, um mit den Bürgern über ihre Forderungen zu diskutieren.

Während diese Zugeständnisse vielen "Gelbwesten" nicht reichen, macht sich drei Monate nach Beginn der Bewegung eine gewisse Müdigkeit breit. Erstmals wünscht sich laut einer Umfrage des Instituts Elabe eine Mehrheit von 56 Prozent der Franzosen ein Ende der Proteste.


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