15.02.2019, 11:53 Uhr

Luxemburg (AFP) EU-Exportüberschuss mit den USA steigt 2018 auf neuen Rekord

Container-Terminal in Hamburg. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Christian Charisius (Foto: dpa/AFP/Archiv/Christian Charisius)Container-Terminal in Hamburg. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Christian Charisius (Foto: dpa/AFP/Archiv/Christian Charisius)

Kommission will nicht über Folgen für Handelsgespräche mit Trump spekulieren

Trotz des Handelskonflikts mit US-Präsident Donald Trump ist der Überschuss der EU im Warenhandel mit den Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr auf einen neuen Rekord gestiegen. Wie die EU-Statistikbehörde Eurostat am Freitag mitteilte, lag der Wert der europäischen Exporte 139,7 Milliarden Euro über den Importen aus den USA. Der EU-Handelsbilanzüberschuss fiel damit um 20,1 Milliarden Euro höher aus als im Jahr 2017. Deutschland war dieses Mal nicht für den Anstieg verantwortlich.

Trump kritisiert regelmäßig die hohen Exportüberschüsse der Europäer, denen er unfaire Handelspraktiken vorwirft. Im vergangenen Jahr hat seine Regierung deshalb Strafzölle auf Stahl und Aluminium aus Europa verhängt.

Der US-Präsident droht auch mit Aufschlägen auf europäische Autos, die vor allem deutsche Hersteller treffen würden. Nach AFP-Informationen vom Donnerstag stufte das US-Handelsministerium nun die europäischen Autoimporte als Bedrohung für die nationale Sicherheit ein. Trump könnte dies als Begründung für die Verhängung von Strafzöllen nutzen.

Trotz des angespannten Verhältnisses erreichten die Warenexporte der 28 EU-Staaten im vergangenen Jahr laut Eurostat 406,4 Milliarden Euro. Dies war ein Anstieg um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zwar erhöhten sich auch die Importe aus den USA auf insgesamt 266,7 Milliarden Euro, mit 3,9 Prozent fiel das Plus aber deutlich geringer aus, weshalb der EU-Handelsüberschuss weiter nach oben kletterte.

Ein Sprecher der EU-Kommission wollte nicht über die Folgen für die laufenden Handelsgespräche mit Washington spekulieren. "Ich werde jetzt keine Zahlen mit Blick darauf interpretieren, wie sich das auf die Gespräche auswirken könnte." Handelsbeziehungen seien aber "viel mehr als Handelsüberschüsse oder Handelsdefizite".

Die EU-Kommission will den Streit mit Trump durch ein "begrenztes" Handelsabkommen mit den USA entschärfen. Die EU-Außenhandelsminister beraten kommende Woche über ein Verhandlungsmandat. Außenhandelskommissarin Cecilia Malmström hat dabei vorgeschlagen, die Abschaffung aller Zölle auf Industriegüter einschließlich Autos abzuschaffen und Handelshürden bei technischen Standards zu beseitigen.

Deutschland hatte vergangenes Jahr mit 66,1 Milliarden Euro weiter den mit Abstand größten Handelsüberschuss gegenüber den USA. Allerdings stieg dieser im Vergleich zu 2017 nicht mehr, sondern verringerte sich um 400 Millionen Euro.

Hauptverantwortlich für den EU-Zuwachs waren zwei andere Länder: Irland, wo der Überschuss im Vergleich zu 2017 um 5,8 Milliarden Euro stieg, und Frankreich mit einer Erhöhung um 4,8 Milliarden Euro.

Im Handel mit China wuchst dagegen das Defizit der Europäer weiter. Das Minus belief sich Eurostat zufolge auf 184 Milliarden Euro. Dies waren nochmals 6,3 Milliarden Euro mehr als 2017. Die EU-Ausfuhren hatten dabei einen Wert von 209,9 Milliarden Euro (plus 6,2 Prozent), die chinesischen Einfuhren nach Europa beliefen sich auf 394 Milliarden Euro (plus fünf Prozent).

Insgesamt stieg der Wert der EU-Warenexporte in Staaten außerhalb der Union im vergangenen Jahr um vier Prozent auf 1,96 Billionen Euro. Die Importe beliefen sich auf 1,98 Billionen Euro. Damit verbuchte die EU insgesamt ein Defizit von 22,6 Milliarden Euro.


0 Kommentare