08.02.2019, 10:36 Uhr

Washington (AFP) Bezos wirft "National Enquirer" Erpressungsversuch mit intimen Fotos vor

Jeff Bezos. Quelle: AFP/Archiv/Jim WATSON (Foto: AFP/Archiv/Jim WATSON)Jeff Bezos. Quelle: AFP/Archiv/Jim WATSON (Foto: AFP/Archiv/Jim WATSON)

Amazon-Chef entschließt sich zum Gegenangriff gegen Skandalblatt

Der reichste Mann der Welt, Amazon-Chef Jeff Bezos, wirft dem Herausgeber des US-Boulevardblatts "National Enquirer" vor, ihn mit schmutzigen Methoden erpressen zu wollen. Der Milliardär schrieb am Donnerstag, der Herausgeber American Media Inc. (AMI) drohe mit der Veröffentlichung intimer Fotos, wenn er seine Nachforschungen zu den Berichten des "National Enquirer" über sein Privatleben nicht beende. Die Affäre ist politisch brisant, weil AMI-Chef David Pecker ein langjähriger Freund von US-Präsident Donald Trump ist.

Der "National Enquirer" hatte im Januar die außereheliche Affäre des 54-jährigen Amazon-Chefs mit der früheren Nachrichtensprecherin Lauren Sanchez enthüllt. Das Skandalblatt veröffentlichte dabei private Textbotschaften. Bezos und seine Frau MacKenzie gaben daraufhin ihre Scheidung nach 25 Jahren Ehe bekannt.

Bezos beauftragte Privatdetektive herauszufinden, wie es zu der Enthüllung kommen konnte und ob politische Motive dahinter stecken. Am Donnerstag schrieb er auf der Blogging-Plattform Medium, AMI verlange von ihm nun eine öffentliche Erklärung, dass er keine Anhaltspunkte für ein politisches Motiv oder einen "Einfluss politischer Kräfte" hinter der Enthüllungsgeschichte habe. Im Gegenzug würden die intimen Fotos, die er seiner Geliebten schickte, nicht publiziert.

Der Amazon-Gründer und Eigentümer der "Washington Post" erklärte, er werde sich dem Erpressungsversuch nicht beugen. Er verwies auf die engen Verbindungen zwischen Trump und AMI-Chef Pecker, der Trump im Wahlkampf 2016 bei der Abwicklung einer Schweigegeldzahlung an eine angebliche frühere Sexpartnerin geholfen hatte. AMI war für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen nicht zu erreichen.

Bezos' Sicherheitsberater Gavin de Becker hatte erklärt, in der Affäre gebe es "starke Hinweise auf politische Motive". Dabei sei auch die Rolle von Lauren Sanchez' Bruder Michael interessant, einem Trump-Anhänger mit guten Kontakten in dessen Führungszirkel, der für die Indiskretionen verantwortlich sein könnte.

Bezos ist ebenso wie seine Trump-kritische Zeitung immer wieder Ziel scharfer Twitter-Attacken des US-Präsidenten. Trump prangert regelmäßig angebliche Lügen der "Washington Post" an und wirft Bezos vor, mit seinem Konzern die US-Post zerstören zu wollen.

Der Amazon-Chef verwies in seiner Erklärung auch auf Verbindungen von AMI nach Saudi-Arabien - der saudiarabische Kronprinz Mohammed bin Salman wird verdächtigt, die Ermordung des Reporters und "Washington Post"-Kolumnisten Jamal Khashoggi angeordnet zu haben.

"Dass ich Eigentümer der Washington Post bin, macht vieles für mich komplizierter", schrieb Bezos. "Es ist unvermeidlich, dass einige mächtige Menschen, die Gegenstand der Washington-Post-Berichterstattung sind, irrigerweise zu dem Schluss kommen, ich sei ihr Feind."

Einer dieser Menschen sei ganz offensichtlich Trump. "Auch die unverzichtbare und hartnäckige Berichterstattung der Post über die Ermordung ihres Kolumnisten Jamal Khashoggi ist zweifellos in einigen Kreisen sehr unbeliebt", schrieb Bezos weiter.

Er werde sich den Erpressungsversuchen nicht beugen - auch wenn ihm jetzt peinliche Enthüllungen drohten. "Natürlich will ich nicht, dass persönliche Fotos veröffentlicht werden", schrieb Bezos. "Aber ich werde mich auch nicht an ihrer bekannten Praxis von Erpressung, politischen Gefälligkeiten, politischen Angriffen und Korruption beteiligen."


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