08.02.2019, 09:35 Uhr

Washington (AFP) Bezos wirft "National Enquirer" Erpressungsversuch mit intimen Fotos vor

Jeff Bezos. Quelle: AFP/Archiv/Jim WATSON (Foto: AFP/Archiv/Jim WATSON)Jeff Bezos. Quelle: AFP/Archiv/Jim WATSON (Foto: AFP/Archiv/Jim WATSON)

Amazon-Chef entschließt sich zum öffentlichen Gegenangriff gegen Skandalblatt

Der reichste Mann der Welt, Amazon-Chef Jeff Bezos, wirft dem Herausgeber des US-Boulevardblatts "National Enquirer" vor, ihn mit schmutzigen Methoden erpressen zu wollen. Der Milliardär schrieb am Donnerstag, der Herausgeber American Media Inc. (AMI) drohe mit der Veröffentlichung intimer Fotos und fordere, dass er seine Nachforschungen zu den Berichten des "National Enqirer" über sein Privatleben beende. Politisch brisant ist der Skandal auch deshalb, weil AMI-Chef David Pecker ein langjähriger Freund von US-Präsident Donald Trump ist.

Der "National Enquirer" hatte im Januar die außereheliche Affäre des 54-jährigen Amazon-Chefs mit der früheren Nachrichtensprecherin Lauren Sanchez enthüllt. Das Skandalblatt veröffentlichte dabei private Textbotschaften zwischen den beiden. Anfang Januar gaben Bezos und seine Frau MacKenzie ihre Scheidung nach 25 Jahren Ehe bekannt.

Bezos beauftragte daraufhin Privatdetektive herauszufinden, wie es zu der Enthüllung kommen konnte - und ob politische Motive dahinter stecken. Am Donnerstag schrieb der reichste Mann der Welt auf der Blogging-Plattform Medium, AMI habe ihn aufgefordert öffentlich zu erklären, dass er keine Anhaltspunkte für ein politisches Motiv oder einen "Einfluss politischer Kräfte" hinter der Enthüllungsgeschichte habe. Im Gegenzug würden die intimen Fotos, die er seiner Geliebten schickte, nicht publiziert.

Der Amazon-Gründer erklärte, er werde sich dem Erpressungsversuch nicht beugen. Bezos verwies auf die engen Verbindungen zwischen AMI-Chef Pecker und Trump hin; Pecker hat zugegeben, Trump im Wahlkampf 2016 bei der Abwicklung einer Schweigegeldzahlung an eine angebliche frühere Sexpartnerin geholfen zu haben.

Der Sicherheitsberater von Bezos, Gavin de Becker, hatte unlängst erklärt, in der ganzen Affäre gebe es "starke Hinweise auf politische Motive". Dabei sei auch die Rolle von Lauren Sanchez' Bruder Michael interessant, einem Trump-Anhänger mit guten Kontakten in dessen Führungszirkel, der womöglich für die Indiskretionen verantwortlich sein könnte.

Bezos, dem auch die angesehene und Trump-kritische US-Zeitung "Washington Post" gehört, ist ebenso wie seine Zeitung immer wieder Ziel scharfer Twitter-Attacken des US-Präsidenten. Auch verwies er in seiner Erklärung auf Verbindungen von AMI nach Saudi-Arabien - der saudiarabische Kronprinz Mohammed bin Salman wird verdächtigt, in die Ermordung des saudiarabischen Reporters und "Washington Post"-Kolumnisten Jamal Khashoggi verwickelt zu sein.

"Dass ich Eigentümer der Washington Post bin, macht vieles für mich komplizierter", schrieb Bezos. "Es ist unvermeidlich, dass einige mächtige Menschen, die Gegenstand der Washington-Post-Berichterstattung sind, irrigerweise zu dem Schluss kommen, ich sei ihr Feind."

Einer dieser Leute sei ganz offensichtlich Trump. "Auch die unverzichtbare und hartnäckige Berichterstattung der Post über die Ermordung ihres Kolumnisten Jamal Khashoggi ist zweifellos in einigen Kreisen sehr unbeliebt."

In seinem Eintrag mit der Überschrift "Nein Danke, Herr Pecker" erklärte Bezos, er werde sich den Erpressungsversuchen nicht beugen - auch wenn ihm jetzt peinliche Enthüllungen drohten, schrieb Bezos. "Natürlich will ich nicht, dass persönliche Fotos veröffentlicht werden. Aber ich werde mich auch nicht an ihrer bekannten Praxis von Erpressung, politischen Gefälligkeiten, politischen Angriffen und Korruption beteiligen."


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