06.02.2019, 16:01 Uhr

Berlin (AFP) Staatliches Tierwohllabel soll Verbraucher beim Fleischkauf besser informieren

Schweine in einem Stall. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Carsten Rehder (Foto: dpa/AFP/Archiv/Carsten Rehder)Schweine in einem Stall. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Carsten Rehder (Foto: dpa/AFP/Archiv/Carsten Rehder)

Klöckner stellt neues Kennzeichen vor - Scharfe Kritik von Tierschützern

Ein neues staatliches Tierwohllabel soll Verbraucher beim Fleischkauf künftig besser darüber informieren, wie die Tiere gehalten wurden. Wie Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) am Mittwoch ankündigte, soll das freiwillige Label zunächst für Schweinefleisch gelten und etwa aufzeigen, dass die Tiere im Stall mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben hatten. Tierschützer wiesen die Vorgaben als deutlich zu niedrig zurück.

Konkret ist eine dreistufige Kennzeichnung vorgesehen, die über die Haltungsbedingungen der Tiere von der Geburt bis zur Schlachtung informieren soll. Um mit dem Label auf den Verpackungen werben zu dürfen, müssen die Anbieter Klöckner zufolge "verpflichtend und überprüfbar" höhere Tierschutzanforderungen erfüllen.

So ist etwa geplant, dass in der ersten Stufe Ferkel mindestens 25 Tage von ihrer Mutter gesäugt werden dürfen, in der dritten Stufe sind es 35 Tage. Gesetzlich vorgeschrieben sind 21 Tage. "Tiere sind Mitgeschöpfe, keine Wegwerfware", sagte Klöckner. Deshalb gehe das Thema alle an, "nicht nur die Tierhalter, sondern auch Handel, Gastronomie und Verbraucher".

Außerdem sollen die Schweine mehr Platz bekommen: in der ersten Stufe laut Klöckner "20 Prozent mehr". Gesetzlich vorgeschrieben sind für Schweine zwischen 50 und 110 Kilogramm Gewicht 0,75 Quadratmeter. In Stufe eins sollen es 0,9 Quadratmeter sein, in der dritten Stufe sind 1,5 Quadratmeter inklusive einem halben Quadratmeter Auslauf geplant.

Diese Vorgaben führen nach Angaben Klöckners zu höheren Kosten für die Produzenten und damit auch höheren Preisen für die Verbraucher. "Jeder kann sich dann bewusst entscheiden, ob er in mehr Tierwohl investieren möchte", sagte die Ministerin.

Geplant ist zudem eine mehrjährige Informationskampagne, für die 70 Millionen Euro bereit gestellt werden sollen. Klöckner rechnet damit, dass 2020 die ersten Produkte mit dem staatlichen Kennzeichen zu kaufen sein werden.

Umwelt- und Tierschutzverbände ließen kein gutes Haar an Klöckners Plänen. Die Ministerin werte "das Fleisch von Schweinen aus schlechter Tierhaltung auf, statt Missstände zu beseitigen", kritisierte Greenpeace. "Der Grundfehler bleibt, dass die Ministerin weiter auf Freiwilligkeit setzt", erklärte der Deutsche Tierschutzbund. Zudem sei die unterste Stufe des Labels eine "Verbrauchertäuschung", die den Beinamen Tierwohl nicht verdiene.

Auch der BUND forderte, die Haltungskriterien insbesondere der ersten Stufe nachzuschärfen. Klöckner setze den Verbrauchern "einen weiteren PR-Gag vor, statt echte Verbesserungen" durchzusetzen, urteilte die Verbraucherorganisation Foodwatch.

Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, forderte, dass es ab 2020 nur noch eine Tierwohlkennzeichnung geben solle, "um keine Verwirrung zu stiften". Erst im Januar hatte der Lebensmitteleinzelhandel mit den Ketten Aldi, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto, Penny und Rewe eine eigene Kennzeichnung zur Tierhaltung auf den Weg gebracht.

Bauernpräsident Joachim Rukwied mahnte, Klöckners Label dürfe bereits bestehende Haltungsstandards nicht gefährden. Es könne aber ein weiterer Schritt in Richtung einer "flächendeckenden Haltungsform- und Herkunftskennzeichnung" sein, sagte er der "Saarbrücker Zeitung" (Donnerstagsausgabe). Zugleich müsse mehr Tierwohl aber auch dort honoriert werden, "wo es entsteht, das heißt beim Landwirt", sagte der Bauernpräsident.


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