31.01.2019, 12:53 Uhr

Catania (AFP) Rettungsschiff "Sea-Watch 3" legt mit 47 Flüchtlingen im Hafen von Catania an

Ein Flüchtling auf der "Sea-Watch 3". Quelle: AFP/FEDERICO SCOPPA (Foto: AFP/FEDERICO SCOPPA)Ein Flüchtling auf der "Sea-Watch 3". Quelle: AFP/FEDERICO SCOPPA (Foto: AFP/FEDERICO SCOPPA)

Zuvor Einigung im Streit mit Italien um Aufnahme der Migranten erzielt

Nach fast zwei Wochen im Mittelmeer hat das Rettungsschiff "Sea-Watch 3" mit 47 Flüchtlingen an Bord in Catania angelegt. Das Schiff der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch lief am Donnerstag im Hafen der sizilianischen Stadt ein, nachdem Italien sich mit sechs EU-Staaten auf die Aufnahme der Migranten geeinigt hatte.

Die "Sea-Watch 3" hatte die Flüchtlinge am 19. Januar vor der libyschen Küste aufgenommen. Die Regierung in Rom verweigerte dem Schiff zunächst aber die Einfahrt in einen italienischen Hafen.

Nach einem tagelangen Tauziehen verkündete Regierungschef Giuseppe Conte dann am Mittwoch eine Einigung mit sechs europäischen Ländern. Neben Deutschland wollen auch Luxemburg, Frankreich, Portugal, Malta und Rumänien Flüchtlinge von der "Sea-Watch 3" aufnehmen. Ob auch Flüchtlinge in Italien bleiben, war zunächst unklar.

Als das Schiff in Catania einlief, jubelten die Flüchtlinge und umarmten die Besatzung. Am Hafen hatte das Rote Kreuz Zelte zur Aufnahme der Migranten aufgebaut. Für jeden der 13 Minderjährigen an Bord stand ein Vormund bereit. Die Erwachsenen sollten mit Bussen in ein Aufnahmezentrum in Messina gebracht werden.

Wegen eines Sturmtiefs hatte die "Sea-Watch 3" zuletzt vor der sizilianischen Stadt Syrakus vor Anker gelegen. Der Bürgermeister von Syrakus, Francesco Italia, hatte auch angeboten, die Flüchtlinge aufzunehmen. Die italienischen Behörden wiesen das Schiff nun aber an, den rund 70 Kilometer nördlich gelegenen Hafen von Catania anzulaufen. Nach Angaben des Innenministeriums können die Minderjährigen an Bord dort am besten aufgenommen werden.

Die Crew sprach dagegen von einer "politischen Entscheidung". Catanias Staatsanwalt Carmelo Zuccaro stehe den privaten Seenotrettern im Mittelmeer "nicht sehr freundschaftlich" gegenüber, sagte Einsatzleiter Kim Heaton-Heather.

Zuccaro hatte im Mai 2018 ein Schiff der spanischen Hilfsorganisation Proactiva Open Arms vorübergehend beschlagnahmen lassen. Sollte er auch die "Sea-Watch 3" lahmlegen, wäre nur noch ein einziges privates Hilfsschiff im Seegebiet zwischen Libyen und Italien im Einsatz: Die "Mare Jonio" soll Migranten allerdings nicht selbst retten und ans Festland bringen, sondern hauptsächlich nach Flüchtlingsbooten in Seenot Ausschau halten.

Die Lage für Bootsflüchtlinge im zentralen Mittelmeer hat sich seit dem Amtsantritt der neuen populistischen Regierung in Italien Mitte vergangenen Jahres deutlich verschärft. Rom verweigerte seitdem Schiffen mit Flüchtlingen das Einlaufen in italienische Häfen und verlangt von den anderen EU-Staaten mehr Solidarität bei der Aufnahme.

Die "Sea-Watch 3" fährt unter niederländischer Flagge. Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rassistischen Lega-Partei hatte daher darauf bestanden, dass Deutschland oder die Niederlande die Flüchtlinge aufnehmen. Sowohl die Niederlande als auch die Bundesregierung hatten eine Aufnahme zunächst aber abgelehnt.

Wegen der Blockade hatte Sea-Watch den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof eingeschaltet. Dieser forderte Italien am Dienstag auf, den Migranten an Bord des Schiffes zu helfen. Rom müsse "schnellstmöglich" Essen und Wasser bereitstellen und die Menschen auf dem Schiff medizinisch versorgen, erklärte das Straßburger Gericht.


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