24.01.2019, 15:09 Uhr

London (AFP) Airbus-Chef: Bei hartem Brexit drohen "schmerzhafte" Entscheidungen - für Briten

Airbus-Chef Tom Enders. Quelle: AFP/Archiv/PASCAL PAVANI (Foto: AFP/Archiv/PASCAL PAVANI)Airbus-Chef Tom Enders. Quelle: AFP/Archiv/PASCAL PAVANI (Foto: AFP/Archiv/PASCAL PAVANI)

Enders kritisiert Politik der britischen Regierung als "Schande"

Mit harten Worten hat Airbus-Chef Tom Enders erneut vor den Folgen eines harten Brexit gewarnt. Sollte Großbritannien ohne ein Abkommen aus der EU ausscheiden, könne der Flugzeugbauer "sehr schmerzhafte Entscheidungen" für Großbritannien treffen, sagte Enders in einem am Donnerstag veröffentlichten Video des Unternehmens. Airbus beschäftigt mehr als 14.000 Menschen in Filton im Südwesten Englands und in Broughton in Wales.

Es sei eine "Schande", dass Unternehmen zwei Jahre nach der Abstimmung über den Brexit immer noch nicht ihre Zukunft planen könnten, schimpfte der deutsche Airbus-Chef. Sein Konzern habe wie zahlreiche andere Unternehmen auch mehrfach um Klarheit gebeten. "Aber wir wissen immer noch nicht, was hier eigentlich los ist."

Bis zu 110.000 Jobs in Großbritannien hingen von Airbus ab, betonte Enders. Der europäische Flugzeugbauer setze dort rund sechs Milliarden Pfund (6,9 Milliarden Euro) jährlich um. In Großbritannien stehe die ganze Branche "vor dem Abgrund".

Enders rief die Briten auf, den Brexit-Befürwortern keinen Glauben zu schenken, wenn sie behaupteten, die multinationalen Konzerne würden im Land bleiben. Diese Leute "liegen falsch", sagte der Airbus-Chef. Es sei natürlich nicht möglich, von heute auf morgen mit einer großen Fabrik umzuziehen. "Aber Luftfahrt ist ein Langfrist-Geschäft, und wir könnten gezwungen sein, künftige Investitionen umzulenken." Es gebe zahlreiche Länder, "wo sie verrückt danach sind, Flügel für Airbus-Maschinen zu bauen".

Mehrere in Großbritannien ansässige Unternehmen haben bereits einen Umzug angekündigt oder sind schon umgezogen. Der britische Handelsminister Liam Fox betonte erst am Mittwoch in Davos, Großbritannien sei immer noch ein "attraktives Ziel" für ausländische Investitionen.


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