24.01.2019, 15:33 Uhr

Berlin (AFP) Einigung in Tarifverhandlungen für Sicherheitspersonal auf Flughäfen

Warnstreik vergangene Woche in Hannover. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Holger Hollemann (Foto: dpa/AFP/Archiv/Holger Hollemann)Warnstreik vergangene Woche in Hannover. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Holger Hollemann (Foto: dpa/AFP/Archiv/Holger Hollemann)

Arbeitgeber und Gewerkschaft vereinbaren kräftige Lohnerhöhungen über drei Jahre

Nach den massiven Warnstreiks des Flughafen-Sicherheitspersonals in der vergangenen Woche ist der Tarifstreit beigelegt. Die Gewerkschaft Verdi und der Arbeitgeberverband BDLS einigten sich auf einen neuen Tarifvertrag für die rund 23.000 Beschäftigten - sie bekommen pro Jahr bis zu 9,8 Prozent mehr Lohn. Für Flugreisende ist die Gefahr weiterer Streiks damit vorerst gebannt.

Verdi und der BDLS einigten sich in der Nacht zum Donnerstag nach intensiven Verhandlungen auf den Tarifvertrag. Er sieht für die nächsten drei Jahre - je nach Region und Tätigkeit - Erhöhungen von jährlich 3,5 bis 9,77 Prozent vor.

Damit würden die Entgeltgruppen in den Bundesländern in den nächsten Jahren angeglichen, erklärte BDLS-Verhandlungsführer Rainer Friebertshäuser. Verdi-Verhandlungsführer Benjamin Roscher begrüßte die Einigung als einen beidseitigen Kompromiss, "der sich in den Details sehen lassen" könne.

Verdi hatte neben Lohnerhöhungen vor allem darauf gedrungen, dass die Löhne zwischen Ost und West schrittweise angeglichen werden. Zudem vereinbarten die Tarifparteien eine Initiative für einen Ausbildungsberuf "Fachkraft für Luftsicherheit". Bislang wird das Sicherheitspersonal in mehrwöchigen Kursen angelernt.

Die Gewerkschaft hatte in dem Tarifkonflikt ihren Forderungen mehrfach mit Warnstreiks Nachdruck verliehen. Vergangene Woche legte das Personal an acht Flughäfen gleichzeitig ganztägig die Arbeit nieder. Hunderte Flüge fielen aus, 200.000 Passagiere waren betroffen.

Gewerkschaft und Arbeitgeber vereinbarten eine Frist bis zum 18. Februar, in der sie noch vom Verhandlungsergebnis zurücktreten können. Verdi will die Einigung den Mitgliedern nun zur Abstimmung vorlegen. Beide Seiten verständigten sich außerdem darauf, anschließend über Zeitzuschläge, Funktionszulagen und die Umwandlung von Entgelt in zusätzliche Freizeit zu verhandeln.

Angesichts des nun vereinbarten deutlichen Lohnzuwachses im Sicherheitspersonal warnte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) vor einer "Neiddebatte". Zwar sei das Plus "überdurchschnittlich" - 2018 hätten die Tarifbeschäftigen im Schnitt rund drei Prozent mehr verdient. Allerdings falle der Anstieg "nicht aus dem üblichen Rahmen", erklärte IW-Tarifpolitikexperte Hagen Lesch.

Zu den deutlicheren Erhöhungen von pro Jahr knapp zehn Prozent im Osten gab Lesch zu bedenken, dass es auch in anderen Branchen bereits stufenweise Entgeltanpassungen gegeben habe, die teils aber schon einige Jahre zurücklägen. Insofern gleiche der neue Abschluss "einer einmaligen kräftigen Erhöhung und hat nichts mit einer systematische Umverteilung zugunsten einer Berufsgruppe zu tun". An Verdi appellierte der Experte, die Streikmacht bestimmter Berufsgruppen nicht zum eigenen Vorteil zu missbrauchen.


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