23.01.2019, 14:37 Uhr

Stuttgart (AFP) Höhere Strafe für Syrer wegen Entführung von UN-Mitarbeiter

Justitia. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Felix Kästle (Foto: dpa/AFP/Archiv/Felix Kästle)Justitia. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Felix Kästle (Foto: dpa/AFP/Archiv/Felix Kästle)

28-Jähriger erhält nach Revision fast fünf Jahre Haft

Wegen Beteiligung an einer Entführung in Syrien ist ein 28-jähriger Syrer vom Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart zu einer Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Das Gericht erhöhte im Revisionsprozess damit am Mittwoch die zunächst verhängte Strafe gegen den Mann. Der Angeklagte soll im Jahr 2013 als Wache und als Elektriker einer islamistischen Organisation dabei geholfen haben, einen Mitarbeiter der UN-Mission auf den Golanhöhen in Geiselhaft zu halten.

Auf diese Weise wollte die Gruppe Lösegeld in Höhe von sieben Millionen Dollar erpressen. Der UN-Mitarbeiter, der im Prozess als Nebenkläger auftrat, war in der Nähe von Damaskus entführt worden. Nach einem halben Jahr in Geiselhaft gelang ihm die Flucht.

Der Kanadier leidet noch heute unter den Folgen der Entführung, wie er vor Gericht erklärte. Die Beteiligung des angeklagten Syrers an der Tat erfüllt nach Ansicht des Gerichts den Tatbestand eines Kriegsverbrechens gegen humanitäre Operationen, wie sie das Völkerrecht vorsieht.

Der Angeklagte wurde bereits im September vom OLG Stuttgart zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Gericht stufte ihn damals nur als Helfer, nicht aber als Mittäter ein. Dagegen legte die Bundesanwaltschaft Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) ein, der stattgegeben wurde.

Der BGH entschied im August, dass der Angeklagte unter anderem wegen Kriegsverbrechen und schwerer Freiheitsberaubung in drei Fällen schuldig zu sprechen sei. Dem folgte das Oberlandesgericht nun mit dem Urteil, sah dessen Rolle bei der Tat jedoch als "untergeordnet" an. Er hatte während eines Monats an sieben Tagen Wachdienste für die Gruppe übernommen und die Geisel mit Essen betreut und zur Toilette geführt.

Die Bundesanwaltschaft hatte in dem zweiten Verfahren eine Strafe nicht unter sechs Jahren gefordert. Die Verteidigung war mit ihrer Forderung von drei Jahren und zehn Monaten unter dem ersten Urteil geblieben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Anklage und Verteidigung steht erneut die Revision offen.


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