23.01.2019, 05:10 Uhr

Caracas (AFP) Aufgeheizte Stimmung vor Anti-Maduro-Protesten in Venezuela

Proteste in Venezuela. Quelle: AFP/YURI CORTEZ (Foto: AFP/YURI CORTEZ)Proteste in Venezuela. Quelle: AFP/YURI CORTEZ (Foto: AFP/YURI CORTEZ)

Harte Wortgefechte zwischen Caracas und Washington

Vor den geplanten Massenprotesten von Regierungsgegnern in Venezuela hat sich auch der Konflikt zwischen der Führung in Caracas und den USA zugespitzt. Der linksnationalistische Staatschef Nicolás Maduro warf der US-Regierung am Dienstag vor, einen "faschistischen Staatsstreich" in Venezuela angeordnet zu haben. Derweil wuchs die Sorge vor großer Gewalt bei den Protesten, zu denen die Opposition für Mittwoch aufgerufen hat.

US-Vizepräsident Mike Pence sicherte den Demonstranten vor den Kundgebungen die Unterstützung der USA zu. "Wir stehen an Ihrer Seite", sagte Pence auf Spanisch und Englisch in einer Twitter-Videobotschaft. Maduro sei ein "Diktator ohne legitimen Anspruch auf die Macht." Pence begrüßte, dass die "guten Menschen" in Venezuela sich Gehör verschaffen wollten.

Maduro erklärte dazu, die US-Regierung habe zu einem "faschistischen Staatsstreich" aufgerufen. In der 200-jährigen Geschichte der Beziehungen zwischen beiden Staaten sei dies beispiellos. Maduro forderte seinen Außenminister Jorge Arreaza auf, die Beziehungen zu den USA vollständig auf den Prüfstand zu stellen.

Kommunikationsminister Jorge Rodríguez warf Pence vor, "Terroristen" angeordnet zu haben, bei den geplanten Oppositionsprotesten Gewalttaten zu verüben, um die Regierung zu destabilisieren. Vize-Präsidentin Delcy Rodríguez betonte, Caracas werde eine Einmischung der USA in Venezuelas innere Angelegenheiten nicht hinnehmen. Am Mittwoch will auch Maduros Regierung ihre Anhänger mobilisieren.

Derweil warnte der US-Senator Marco Rubio die venezolanischen Sicherheitskräfte vor einem harten Vorgehen gegen die regierungskritischen Demonstranten. "Sie sind kurz davor, eine rote Linie zu überschreiten und eine Antwort zu provozieren, auf die Sie, glauben Sie mir, nicht vorbereitet sind." Rubio rief dazu auf, für die "Tausenden Venezolaner, die sich in den kommenden Stunden in Gefahr begeben", zu beten.

Die Lage in Venezuela hat sich in den vergangenen Tagen weiter zugespitzt. Nach einem gescheiterten Aufstand von Nationalgardisten am Montag kam es in der Hauptstadt Caracas zu Zusammenstößen zwischen Regierungsgegnern und der Polizei.

In mehreren ärmeren Stadtvierteln errichteten Demonstranten nach Angaben der Venezolanische Beobachtungsstelle für soziale Konflikte (OVCS) Straßensperren oder plünderten Geschäfte. Die Polizei setzte Tränengas ein.

Maduro hatte am 10. Januar seine zweite Amtszeit angetreten. Die Präsidentschaftswahl im vergangenen Mai war jedoch vom größten Teil der Opposition boykottiert worden. Sie erkennt das Ergebnis ebenso wenig an wie die EU, die USA und eine Reihe lateinamerikanischer Länder.

Die von der Opposition kontrollierte Nationalversammlung hat Maduro offiziell als "Usurpator" bezeichnet. Parlamentspräsident Juan Guaidó strebt eine Übergangsregierung und Neuwahlen an.

Zusätzlich zur politischen Krise leidet Venezuela auch unter einer schweren Wirtschaftskrise mit Versorgungsengpässen. 2017 waren bei monatelangen Protesten der Opposition 125 Menschen getötet wurden.


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