22.01.2019, 01:25 Uhr

Havanna (AFP) ELN-Chefunterhändler hofft auf Wiederaufnahme von Friedensgesprächen

ELN-Chefunterhändler Pablo Beltrán. Quelle: AFP/ADALBERTO ROQUE (Foto: AFP/ADALBERTO ROQUE)ELN-Chefunterhändler Pablo Beltrán. Quelle: AFP/ADALBERTO ROQUE (Foto: AFP/ADALBERTO ROQUE)

Beltrán: Anschlag in Bogotá war Reaktion auf "Angriffe" gegen Guerillagruppe

Die kolumbianische Guerillagruppe Nationale Befreiungsarmee (ELN) hat sich trotz des Bombenanschlags in Bogotá für eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche ausgesprochen. ELN-Chefunterhändler Pablo Beltrán sagte der Nachrichtenagentur AFP am Montag in einem Exklusivinterview in Havanna, er wünsche, dass die Spannungen zurückgingen und dass die Gespräche wieder aufgenommen würden.

Der tödliche Anschlag auf eine Polizeiakademie in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá sei eine Reaktion auf "Angriffe" gegen die ELN gewesen, sagte Beltrán. "Niemand kann von uns verlangen, dass wir tatenlos zusehen, wenn wir angegriffen werden." Seit dem Amtsantritt des rechtsgerichteten Präsidenten Iván Duque im vergangenen August habe es "viele" solcher Angriffe gegen die Guerillagruppe gegeben.

Weder die ELN-Führung, noch die Verhandlungsdelegation in der kubanischen Hauptstadt Havanna habe aber von den Anschlagsplänen gewusst, beteuerte Beltrán. "Wir sind seit acht Monaten in Kuba." Die Pläne der ELN-Kämpfer in Kolumbien "fallen nicht in unseren Zuständigkeitsbereich".

Ein Angreifer hatte am vergangenen Donnerstag beim Angriff auf eine Polizeiakademie in Bogotá 20 Menschen getötet. Auch der Angreifer starb bei der Attacke. Nach dem Anschlag erklärte Staatschef Duque die Friedensgespräche mit der Guerillagruppe in Havanna für beendet. Außerdem setzte er die Haftbefehle gegen zehn ELN-Unterhändler wieder in Kraft.

Nach Abbruch der Friedensgespräche muss die ELN-Delegation laut Protokoll binnen zwei Wochen nach Kolumbien zurückkehren. Im AFP-Interview forderte Chefunterhändler Beltrán "Garantien" der Regierung. Er schloss aus, dass die Mitglieder der Delegation Asyl beantragen könnten.

Mit rund 1800 Kämpfern ist die Nationale Befreiungsarmee die letzte aktive Rebellengruppe Kolumbiens. Die Friedensgespräche mit der ELN lagen seit Duques Amtsantritt auf Eis.

Duques Amtsvorgänger Juan Manuel Santos hatte im November 2016 den jahrzehntelangen Guerilla-Krieg mit den linksgerichteten Rebellen der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) mit einem Friedensabkommen beendet. Die Farc-Kämpfer gaben daraufhin ihre Waffen ab und wandelten sich in eine politische Partei um.


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