20.01.2019, 12:16 Uhr

Rom (AFP) Vermutlich mehr als 170 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken


Deutsche Hilfsorganisation Sea Watch rettet 47 Menschen

Beim Untergang zweier Flüchtlingsboote im Mittelmeer sind vermutlich mehr als 170 Menschen ertrunken. 53 Menschen starben bei einem Bootsunglück zwischen Marokko und Spanien, wie das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Samstag mitteilte. Weitere 117 Flüchtlinge galten vor der libyschen Küste als vermisst, wo am Freitag ein Schlauchboot in Seenot geraten war. Die deutsche Hilfsorganisation Sea Watch rettete derweil 47 Insassen eines weiteren Schlauchboots.

An Bord des vor der libyschen Küste gesunkenen Schlauchboots seien nach Angaben der drei Überlebenden ursprünglich 120 Menschen gewesen, teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) im Kurzbotschaftendienst Twitter mit. 117 Menschen, darunter zehn Frauen und ein zehn Monate altes Baby, würden vermisst. Sie stammten aus Nigeria, Kamerun, Gambia, der Elfenbeinküste und dem Sudan. Die italienische Marine hatte zunächst von 15 Vermissten gesprochen.

Die drei Geretteten wurden mit Unterkühlung in ein Krankenhaus auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa gebracht. Sie seien traumatisiert und stünden unter Schock, erklärte die IOM. Sie gaben demnach an, etwa drei Stunden im Meer getrieben zu sein, bevor sie gerettet wurden.

Der Rettungseinsatz wurde nach italienischen Angaben mit den Behörden in Tripolis abgestimmt, die ein libysches Handelsschiff zum Unglücksort schickten. Die Besatzung habe aber "keine Spur" mehr von dem Schlauchboot gefunden, erklärte die italienische Küstenwache.

Auch ein Schiff der deutschen Hilfsorganisation Sea Watch steuerte die entsprechenden Koordinaten an. Dort habe die Besatzung aber nur zwei leere Rettungsinseln vorgefunden. "Es war der richtige Ort, aber zu spät", twitterte die Hilfsorganisation.

Am Samstag rettete Sea Watch 47 Menschen von einem weiteren in Seenot geratenen Schlauchboot. Ein ziviles Aufklärungsflugzeug habe zuvor einen möglichen Notfall gemeldet. "Jetzt sind alle sicher und werden versorgt", schrieb die Organisation auf Twitter.

"Wir dürfen nicht zulassen, dass die Tragödie auf dem Mittelmeer weitergeht", erklärte UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi. Laut UNHCR kamen beim Untergang eines weiteren Bootes im Alborán-Meer, dem westlichen Teil des Mittelmeers zwischen Spanien und Marokko, 53 Menschen ums Leben. Das UN-Flüchtlingshilfswerk wies zugleich darauf hin, dass es die Zahl der Opfer der Bootsunglücke nicht verifizieren könne.

Italiens Innenminister Matteo Salvini äußerte sich derweil in einem Facebook-Video: "Die Boote legen wieder ab und wir zählen die Toten", sagte er. Zugleich bekräftigte er, dass die italienischen Häfen für Rettungsschiffe mit Flüchtlingen an Bord geschlossen blieben.

Laut IOM überquerten in den ersten 16 Tagen des Jahres bereits 4216 Flüchtlinge das Mittelmeer - knapp doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum.


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