19.01.2019, 09:36 Uhr

Bogotá (AFP) Kolumbiens Präsident erklärt Friedensgespräche mit ELN-Guerilla für beendet

Kolumbiens Präsident Iván Duque. Quelle: AFP/JUAN BARRETO (Foto: AFP/JUAN BARRETO                        )Kolumbiens Präsident Iván Duque. Quelle: AFP/JUAN BARRETO (Foto: AFP/JUAN BARRETO )

Duque setzt nach Bombenanschlag in Bogotá Haftbefehle wieder in Kraft

Nach dem tödlichen Bombenanschlag in Bogotá hat Kolumbiens Präsident Iván Duque die Friedensgespräche mit der Guerillagruppe ELN für beendet erklärt. Er habe zudem die Haftbefehle gegen zehn ELN-Unterhändler, die an den Verhandlungen in Kuba teilgenommen hatten, wieder in Kraft gesetzt, erklärte Duque am Freitag. Die Regierung hatte die linksgerichtete Guerillagruppe zuvor für einen Bombenanschlag auf eine Polizeiakademie in Bogotá mit 21 Toten verantwortlich gemacht.

Duque forderte die kubanischen Behörden auf, die zehn ELN-Unterhändler festzunehmen und an die kolumbianische Polizei zu übergeben. Die Regierung in Havanna kündigte an, sich an die Vereinbarungen für die Friedensgespräche zu halten. Kuba werde die zwischen der kolumbianischen Regierung und der ELN unterzeichneten Protokolle "strikt" einhalten, "einschließlich des Protokolls für den Fall der Unterbrechung der Verhandlungen", schrieb der kubanische Außenminister Bruno Rodríguez im Kurzbotschaftendienst Twitter. Einzelheiten nannte er nicht.

Am Donnerstag war ein Attentäter mit einem mit Sprengstoff beladenen Kleinlaster auf das Gelände der General-Santander-Polizeioffiziersschule in Bogotá gefahren, wo kurz zuvor eine Beförderungsfeier stattgefunden hatte. Er tötete 20 Menschen und verletzte 68 weitere. Auch der Attentäter selbst wurde getötet. Es war das folgenschwerste Attentat in der kolumbianischen Hauptstadt seit 16 Jahren. Bislang hat sich niemand dazu bekannt.

Nach Angaben von Verteidigungsminister Guillermo Botero wurde das Attentat von dem 56-jährigen José Aldemar Rojas Rodríguez begangen, der demnach seit mehr als 25 Jahren ELN-Mitglied war. Der Friedensbeauftragte der Regierung, Miguel Ceballos, sagte am Freitag, die ELN habe "keinerlei Friedenswillen".

Mit rund 1800 Kämpfern ist das Nationale Befreiungsheer (ELN) die letzte aktive Rebellengruppe Kolumbiens. Duques Vorgänger Juan Manuel Santos hatte den jahrzehntelangen Guerilla-Krieg mit den linksgerichteten Rebellen der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) im November 2016 mit einem Friedensabkommen beendet. Die Farc-Kämpfer gaben daraufhin ihre Waffen ab und wandelten sich in eine politische Partei um.

Die ebenfalls unter Santos aufgenommenen Friedensgespräche mit den ELN-Rebellen lagen jedoch seit Duques Amtsantritt im August auf Eis. Der rechtsgerichtete Duque hatte die Wiederaufnahme der Gespräche von der Freilassung aller Geiseln abhängig gemacht, die sich noch in der Gewalt der Gruppe befinden. Nach Angaben der Regierung befinden sich noch 17 Geiseln in der Hand der ELN-Rebellen. Duque forderte zudem ein Ende der kriminellen Aktivitäten der Gruppe. Die ELN sprach von "unannehmbaren einseitigen Bedingungen".


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