14.01.2019, 13:19 Uhr

Berlin (AFP) Verdi legt mit neuen Warnstreiks an acht Flughäfen den Luftverkehr lahm

Streiks des Sicherheitspersonals an Flughäfen gehen weiter. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Federico Gambarini (Foto: dpa/AFP/Archiv/Federico Gambarini)Streiks des Sicherheitspersonals an Flughäfen gehen weiter. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Federico Gambarini (Foto: dpa/AFP/Archiv/Federico Gambarini)

Arbeitgeberseite und Reisebranche reagieren erbost auf Aufruf für Dienstag

Stillstand im Flugverkehr: Mit Warnstreiks des Sicherheitspersonals an acht deutschen Flughäfen erhöht die Gewerkschaft Verdi am Dienstag massiv den Druck auf die Arbeitgeber im laufenden Tarifkonflikt. Neben dem Großflughafen Frankfurt am Main sind auch Hamburg und München betroffen, dazu Hannover, Bremen, Leipzig, Dresden und Erfurt. Hunderte Flüge wurden gestrichen, Verdi warnte vor "sehr starken Einschränkungen". Die Arbeitgeber kritisierten die Streiks als "völlig maßlos", auch die Reisebranche reagierte erbost.

Das Sicherheitspersonal ist laut Verdi jeweils ganztags zu den Warnstreiks aufgerufen, die Ausstände sollen jedoch regional zu unterschiedlichen Zeiten stattfinden. Die Arbeitgeber hätten bislang kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt, kritisierte Verdi-Verhandlungsführer Benjamin Roscher. Dabei wäre es ihnen möglich gewesen, auf die jüngsten "Warnsignale" zu reagieren, hieß es aus dem Verdi-Bundesvorstand.

Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt wurden 470 von 1200 am Dienstag geplanten Flügen gestrichen. Dort sind nach Angaben einer Sprecherin im Schnitt rund 60 Prozent der Fluggäste Transitpassagiere - und damit nicht von den Streiks betroffen. In Hamburg wurde etwa die Hälfte der insgesamt fast 360 Starts und Landungen annulliert, in Hannover wurden von 119 geplanten Verbindungen 42 gestrichen.

In Dresden strichen die Airlines bis zum Montagmittag 27 von 46 geplanten Starts und Landungen. In Erfurt zeigte sich allerdings ein Sprecher verwundert über den Streikaufruf, da am Dienstag dort keine Passagierflüge geplant seien.

Schon in der vergangenen Woche hatte das Sicherheitspersonal auf den Berliner Flughäfen sowie in Köln-Bonn, Düsseldorf und Stuttgart teils ganztägig die Arbeit niedergelegt. Hunderte Flüge wurden gestrichen. Verdi verhandelt zusammen mit der Gewerkschaft DBB Beamtenbund und Tarifunion über eine Verbesserung der Löhne und Arbeitsbedingungen der rund 23.000 Beschäftigten im Bereich der Sicherheit an deutschen Flughäfen.

Die Arbeitgeberseite, der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS), kritisierte Verdi scharf. Das seien keine Warnstreiks im Zuge von Verhandlungen mehr, sondern "unverhältnismäßige Aktionen, die viele tausend unschuldige Passagiere, die Flughäfen und die Fluggesellschaften massiv schädigen", sagte Verhandlungsführer Rainer Friebertshäuser. Die Arbeitgeberseite habe mehrfach darüber informiert, dass in der nächsten Runde ein neues Angebot vorgelegt werde.

Verdi fordert bundesweit eine Erhöhung des Stundenlohns im Kontrollbereich auf 20 Euro. Die Arbeitgeber lehnen das als zu hoch ab. Das Beharren auf "absurden Forderungen" sei "ein Schlag ins Gesicht jeder ausgebildeten Krankenschwester und jedes Rettungssanitäters", erklärte der BDLS. Beide Seiten wollen am 23. Januar weiter verhandeln, nachdem vier bisherige Tarifrunden ergebnislos geblieben waren.

Der Flughafenverband ADV warf Verdi einen "Streikexzess" vor. Er prognostizierte, dass die Warnstreiks das deutsche Flugnetz lahmlegen werden, etwa 220.000 Passagiere seien von Streichungen und Verspätungen betroffen. Der Verband forderte zudem die Tarifparteien auf, "sofort" an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) warnte, Verdi verursache einen "massiven Schaden für unsere Volkswirtschaft". Arbeitsniederlegungen müssten berechenbar bleiben.

Die Reisebranche reagierte ebenfalls erbost: Von Warnstreiks könne "definitiv keine Rede mehr sein", erklärte der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft. Erneut werde ein Tarifkonflikt einer einzelnen Berufsgruppe "auf dem Rücken von Hunderttausenden Passagieren, den Luftverkehrsbetrieben" und weiteren Tourismus-Unternehmen ausgetragen. Der Deutsche Reiseverband sprach von "unverhältnismäßigen" Aktionen. Es müsse "endlich aufhören, dass sehr kleine Gruppen zur Durchsetzung ihrer Interessen einen ganzen Wirtschaftszweig lahmlegen können".


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