09.01.2019, 10:33 Uhr

Washington (AFP) Dunkle Wolken am globalen Konjunkturhimmel

Kräne im Hamburger Hafen. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Axel Heimken (Foto: dpa/AFP/Archiv/Axel Heimken)Kräne im Hamburger Hafen. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Axel Heimken (Foto: dpa/AFP/Archiv/Axel Heimken)

Weltbank senkt Wachstumsprognose und warnt vor Kollateralschäden durch Handelsstreit

Die Konfrontation zwischen den USA und China droht nach Einschätzung der Weltbank die konjunkturelle Großwetterlage zu verdüstern. "Die Weltwirtschaft steckt in einer schwierigen Phase", sagte Weltbank-Ökonom Ayhan Kose der Nachrichtenagentur AFP. "Der Himmel verdunkelt sich und wir sehen eine weltweite Abschwächung, die Risiken steigen." Noch sei das globale Wachstum robust, "doch ob ein Sturm aufzieht oder es sich aufklärt, hängt im hohen Maße davon ab, wie die Politik reagiert".

Mit Blick auf die US-chinesischen Handelsspannungen betonte Kose, dass die Volksrepublik und die USA gemeinsam für 40 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung und rund 20 Prozent des Welthandels stünden. "Wie sie ihre Differenzen überwinden, wird sehr bedeutend dafür sein, wie sich die globale Wirtschaft in diesem Jahr entwickelt."

Nach Einschätzung der Weltbank hat der seit Monaten schwelende Disput zwischen der US-Regierung von Donald Trump und der Führung in Peking bereits jetzt zu Kollateralschäden und Verwerfungen auch abseits der beiden größten Volkswirtschaften geführt. In ihrem am Dienstag in Washington vorgestellten aktuellen Ausblick gehen die Ökonomen nun von einem globalen Wachstum von 2,9 Prozent in diesem Jahr aus - 0,1 Prozentpunkte weniger als zuletzt. Für 2020 erwarten sie 2,8 Prozent.

Dabei wurde die Prognose für beinahe alle Regionen abgesenkt. Für die USA erwartet die Weltbank ein Abschwächen des Wachstums des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 2,9 Prozent im Jahr 2018 auf 2,5 Prozent in diesem Jahr und 1,7 Prozent 2020; für China werden in diesem und im kommenden Jahr jeweils 6,2 Prozent erwartet. Deutlich abgesenkt wurden die Vorhersagen auch für mehrere Schwellenländer wie Mexiko, Südafrika und Russland, sowie für die Türkei und Argentinien.

Der internationale Handel sei in der Vergangenheit nicht nur ein Wachstumsmotor, sondern auch eine "treibende Kraft" bei der Reduzierung von Armut gewesen, sagte Kose. Die Hoffnung der Weltbank sei deshalb, "dass diese Unstimmigkeiten gelöst werden".

In Peking gingen am Mittwoch unterdessen die mehrtägigen Beratungen zur Beilegung des US-chinesischen Handelskonflikts zu Ende. Die Gespräche seien gut verlaufen, sagte ein Mitglied der US-Delegation, der Staatssekretär für Handel und auswärtige Agrar-Angelegenheiten Ted McKinney, vor der Rückreise nach Washington. Die Reise sei "gut für uns" gewesen. Bereits am Dienstag hatte US-Präsident Donald Trump, der sich vor allem am hohen Defizit der USA im Handel mit China stört und deshalb eine Strafzollspirale in Gang gesetzt hatte, die Beratungen via Twitter als "sehr gut" bezeichnet.

Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums bestätigte am Mittwoch das Ende der Gespräche, ohne auf Fragen nach Einzelheiten einzugehen. Details würden zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht. Wenn das Ergebnis gut sei, nütze dies nicht nur den USA und China, sondern sei auch "eine gute Nachricht für die Weltwirtschaft".


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