07.01.2019, 12:16 Uhr

Libreville (AFP) Versuchter Putsch im westafrikanischen Gabun


Regierung: "Situation unter Kontrolle"

Im westafrikanischen Gabun ist ein versuchter Militärputsch fehlgeschlagen. Eine Gruppe von Soldaten stürmte am Montagmorgen den staatlichen Rundfunk in der Hauptstadt Libreville und rief die Bevölkerung zum Aufstand auf. Zeitgleich waren Schüsse in der Stadt zu hören, Panzer rückten vor. Ein Regierungssprecher erklärte wenige Stunden später, die Situation sei wieder unter Kontrolle. Staatschef Ali Bongo hält sich seit Wochen wegen eines Schlaganfalls im Ausland auf.

Nach der Erstürmung des Rundfunkgebäudes verlasen die Soldaten im Staatsradio eine Erklärung und verkündeten die Einsetzung eines "nationalen Rates zur Erneuerung". In der Nähe des Rundfunkgebäudes waren Schüsse zu hören. Panzer blockierten kurz darauf den Zugang zu einer Hauptverkehrsstraße in Libreville.

Die Botschaft im Staatsradio wurde von einem Mann verlesen, der sich als Vize-Kommandeur der Republikanischen Garde und Chef einer bislang unbekannten Gruppe namens Patriotische Jugendbewegung der gabunischen Verteidigungs- und Sicherheitskräfte bezeichnete.

Auf einem in sozialen Netzwerken zirkulierenden Video von der Ansprache, das AFP verifizierte, waren drei Soldaten mit der grünen Kopfbedeckung der Republikanischen Garde zu sehen. Zwei von ihnen trugen Sturmgewehre.

Die Bewegung rufe "alle jungen Menschen der Verteidigungs- und Sicherheitskräfte und die gesamte gabunische Jugend auf, sich uns anzuschließen", hieß es. "Der lange erwartete Tag ist gekommen, an dem die Armee entschieden hat, sich auf die Seite des Volkes zu schlagen, um Gabun vor dem Chaos zu bewahren." Die Menschen wurden aufgefordert, öffentliche Einrichtungen zu besetzen.

In Libreville setzten dutzende Jugendliche ein Fahrzeug und Autoreifen in Brand. Offenbar reagierten sie damit auf den Aufruf der Militärs. Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas gegen die Jugendlichen vor.

Ein Regierungssprecher erklärte wenig später, die Lage sei wieder unter Kontrolle. "Es ist wieder Ruhe eingekehrt", sagte Sprecher Guy-Bertrand Mapangou. Von den fünf Militärs, welche den Rundfunk besetzt hatten, seien vier festgenommen worden, der fünfte sei geflüchtet.

Sicherheitskräfte seien in der Hauptstadt postiert worden und würden die Präsenz in den kommenden Tagen aufrecht erhalten. Die Landesgrenzen blieben offen. Die in Libreville abgegebenen Schüsse seien von Sicherheitskräften abgefeuert worden, um eine Menschenmenge unter Kontrolle zu bringen.

Die Afrikanische Union (AU) verurteilte den Putschversuch scharf. Sie lehne einen Machtwechsel, welcher der Verfassung zuwider laufe, in jeder Hinsicht ab, hieß es.

Präsident Bongo hält sich seit Wochen zur medizinischen Behandlung in Marokko auf, nachdem er im Oktober in Saudi-Arabien erkrankt war. Im November wurde bekannt, dass der 59-Jährige einen Schlaganfall erlitten hat. Am 31. Dezember äußerte sich Bongo erstmals wieder in einer aufgezeichneten Ansprache. Er habe "eine schwierige Zeit hinter sich", hieß es darin.

Während seiner Abwesenheit übertrug das Verfassungsgericht Gabuns Teile der Macht des Präsidenten auf dessen Stellvertreter und den Ministerpräsidenten.

In ihrer Erklärung vom Montag im Staatsradio verurteilten die Soldaten die in Bongos Abwesenheit getroffenen Regelungen als "illegitim und illegal". Die aufgezeichnete Ansprache Bongos von Ende Dezember bezeichneten sie als "beschämend" für ein "Land, das seine Würde verloren hat".

Die Bongo-Familie herrscht seit fünf Jahrzehnten in Gabun. Ali Bongo übernahm 2009 die Macht von seinem Vater Omar, der 1967 ins Amt gekommen war. Omar Bongo wurde durch Geschäfte mit dem Ölreichtum des Landes zu einem der reichsten Männer der Welt. Trotz der großen Ölvorkommen lebt ein großer Teil der Bevölkerung Gabuns in Armut.

Erst im Oktober hatten die Gabuner ein neues Parlament gewählt. Der Urnengang verlief weitgehend friedlich. 2016 war es nach der knappen Wiederwahl Bongos zu gewaltsamen Protesten gekommen, in deren Verlauf mehrere Menschen getötet wurden. Sinkende Ölpreise hatten zuletzt zu einer Wirtschaftskrise in Gabun geführt.


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