06.01.2019, 12:50 Uhr

Vatikanstadt (AFP) Papst fordert "konkrete Solidarität" der EU-Staaten für Flüchtlinge vor Malta


Italiens Innenminister Salvini: "Häfen bleiben geschlossen"

Im Fall der rund 50 festsitzenden Flüchtlinge auf zwei Hilfsschiffen deutscher Aktivisten vor Malta hat Papst Franziskus die europäischen Staaten zur Aufnahme der Menschen gefordert. "Ich sende einen dringlichen Appell an die europäischen Staats- und Regierungschefs, dass sie konkrete Solidarität gegenüber diesen Menschen zeigen", sagte er am Sonntag. Bislang fanden die beiden Schiffe keinen offenen Hafen. Die Bundesregierung bekräftigte ihre Bereitschaft zur Hilfe, während Italien Härte zeigte.

Das katholische Kirchenoberhaupt sprach vor tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom über das Schicksal der 49 im Mittelmeer geretteten Flüchtlinge. Sie warteten "seit Tagen" darauf, einen Hafen anfahren zu dürfen.

Auf der "Sea-Watch 3" befinden sich 32 Flüchtlinge, die am 22. Dezember vor Libyen gerettet wurden. An Bord des zweiten Schiffs, der "Professor Albrecht Penck", befinden sich 17 Migranten. Die Schiffe werden von der deutschen Organisationen Sea-Watch und Sea-Eye betrieben. Beide Hilfsschiffe durften aufgrund des hohen Seegangs vergangene Woche in der Nähe der Küste Maltas Schutz suchen, aber nicht anlegen.

Malta, Italien und Spanien lehnen eine Aufnahme der Flüchtlinge ab. "In Italien gibt es keine weiteren Ankünfte mehr", sagte Italiens Innenminister Matteo Salvini von der fremdenfeindlichen Lega-Partei am Sonntag in der Zeitung "Il Messaggero". Diese Haltung werde sich nicht ändern. "Die italienischen Häfen sind geschlossen und bleiben es auch", bekräftigte er im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Dagegen zeigten sich Deutschland und die Niederlande bereit, Flüchtlinge aufzunehmen, wenn auch andere Länder dazu bereit sind. Die Bundesregierung habe sich gegenüber der EU-Kommission bereit erklärt, "einen Beitrag im Rahmen einer breiten europäischen Verteillösung zu leisten", teilte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Sonntag mit. Nötig sei eine "ausgewogene Verteilung der aus Seenot Geretteten auf verschiedene EU-Mitgliedstaaten".

Die Hilfsorganisation Sea-Watch kritisierte den anhaltenden Streit um die Aufnahme der Flüchtlinge. "Der moralische Verfall der EU erschreckt uns, aber wir lassen uns trotzdem nicht einschüchtern", teilte sie am Samstag auf Twitter mit. "Die Politik muss eine europäische Lösung finden und die unmenschliche Lage beenden."


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