04.01.2019, 16:54 Uhr

Rom (AFP) Menschenrechtler dringen auf Aufnahme der vor Malta festsitzenden Flüchtlingen


Deutsche Abgeordnete fordern "sicheren Hafen"

Nach fast zwei Wochen auf dem Mittelmeer mehren sich die Appelle zur Aufnahme der Flüchtlinge an Bord von zwei Hilfsschiffen deutscher Aktivisten. Die EU-Staaten müssten den Flüchtlingen unverzüglich einen "sicheren Hafen" anbieten, forderte die Menschenrechtskommissarin des Europarats, Dunja Mijatovic, am Freitag. Fünf deutsche Abgeordnete mahnten nach einem Besuch auf der "Sea-Watch 3" eine sofortige Lösung an. An Bord des Schiffes spielten sich derweil dramatische Szenen ab.

Die Gesundheit und Sicherheit der Kinder, Frauen und Männer an Bord der Schiffe dürfe nicht länger gefährdet werden, schrieb Mijatovic im Kurzbotschaftendienst Twitter. "Menschlichkeit und Mitgefühl müssen die Oberhand gewinnen."

Seit ihrer Rettung vor der Küste Libyens würden die Flüchtlinge auf der "Sea-Watch 3" seit zwei Wochen "auf dem Meer allein gelassen", kritisierte das Hilfsbündnis Mediterranea. Das sei ein "neuer Rekord der Schande".

Die deutsche Nichtregierungsorganisation Sea-Watch, die das Schiff betreibt, warf den europäischen Ländern auf Twitter vor, weiter über das Schicksal der 32 Menschen an Bord zu "feilschen". "Wir mögen miserabel aussehen, aber sie sind erbärmlich", schrieb Sea-Watch.

Die Bundestagsabgeordneten Erhard Grundl (Grüne), Helge Lindh, Frank Schwabe (beide SPD) und Tobias Pflüger (Linke) sowie die Europaabgeordnete Ska Keller (Grüne) prangerten nach einem Besuch auf der "Sea-Watch 3" eine "schwierige und absurde Lage" an Bord an. Die Flüchtlinge seien Opfer der "fehlenden Einigungsfähigkeit europäischer Staaten", teilten sie mit.

"Sie brauchen endlich einen sicheren Hafen, der sie aufnimmt." Da die "Sea Watch" ebenso wie die "Professor Albrecht Penck" der Organisation Sea-Eye von deutschen Aktivisten betrieben werden, komme der Bundesrepublik bei der Suche nach einer Lösung eine "besondere Verantwortung" zu.

An Bord der "Sea-Watch 3" zeigte sich unterdessen, wie verzweifelt die Flüchtlinge inzwischen sind. Einer von ihnen sprang am Freitag über Bord, um schwimmend zu versuchen, Malta zu erreichen. "Nach ein paar Metern hat er wegen der Kälte und der Strömung aufgegeben und wurde mit einem Rettungsring zum Schiff zurückgezogen", sagte der Fotograf Federico Scoppa AFP.

"Die Migranten schlafen auf dem Boden. Wir haben Hygieneprobleme", sagte der Einsatzleiter der "Sea-Watch 3", Philip Hahn, dem Sender "Radio 24". Die Lage werde "psychologisch immer schwieriger".

Drei Kinder an Bord im Alter von einem, sechs und sieben Jahren müssten sich "ständig übergeben", sagte Alessandro Metz von Mediterranea. Ihnen drohten Dehydrierung und Unterkühlung. Mediterranea und Sea-Watch belieferten die Flüchtlinge am Freitag mit Lebensmitteln und frischem Wasser.

An Bord der "Sea-Watch 3" befinden sich insgesamt 32 Flüchtlinge, darunter drei Kinder und drei unbegleitete Jugendliche. Die vier Frauen an Bord stammen aus Nigeria, Libyen und der Elfenbeinküste. Die Flüchtlinge waren am 22. Dezember vor der Küste Libyens gerettet worden.

An Bord der "Professor Albrecht Penck" befinden sich 17 weitere Flüchtlinge. Sie warten seit dem 29. Dezember darauf, in Europa an Land gehen zu können. Beide Schiffe durften sich aufgrund des hohen Seegangs inzwischen der Küste Maltas nähern, dürfen aber nicht anlegen.

Malta, Italien und Spanien lehnen eine Aufnahme der Flüchtlinge ab. Deutschland und die Niederlande erklärten sich nur unter der Bedingung zur Aufnahme bereit, dass andere Länder auch mitmachen. Mehrere deutsche und italienische Städte äußerten ihre Bereitschaft, die Menschen an Bord der Schiffe aufzunehmen. Auch Neapels Bürgermeister Luigi De Magistris zeigte sich offen für eine Aufnahme.


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