04.01.2019, 12:42 Uhr

Nürnberg (AFP) Zahl der Arbeitslosen 2018 auf neues Rekordtief gesunken

Der Arbeitsmarkt hat sich 2018 positiv entwickelt. Quelle: dpa/AFP/Julian Stratenschulte (Foto: dpa/AFP/Julian Stratenschulte)Der Arbeitsmarkt hat sich 2018 positiv entwickelt. Quelle: dpa/AFP/Julian Stratenschulte (Foto: dpa/AFP/Julian Stratenschulte)

Arbeitsminister Heil begrüßt vor allem Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist 2018 weiter gesunken. Im Jahresdurchschnitt waren 2,34 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet, wie die Bundesagentur für Arbeit am Freitag in Nürnberg mitteilte. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) begrüßte das Absinken auf den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung als "erfreulichen Rückgang" - Grüne und Linke kritisierten hingegen, strukturelle Probleme blieben ungelöst.

Im Vergleich zum Vorjahr waren 2018 im Jahresdurchschnitt 193.000 Menschen weniger arbeitslos. Die Arbeitslosenquote verringerte sich damit um 0,5 Punkte auf 5,2 Prozent. "Der Arbeitsmarkt 2018 hat sich sehr gut entwickelt", sagte BA-Chef Detlef Scheele. Erfreulich seien "besonders der Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit und die Fortschritte bei der Arbeitsmarktintegration geflüchteter Menschen".

Die Langzeitarbeitslosigkeit sei 2018 um fast zehn Prozent zurückgegangen, erklärte Heil, dies freue ihn besonders. Im vergangenen Jahr waren demnach im Schnitt 813.000 Menschen zwölf Monate und länger arbeitslos. Dies sei allerdings "immer noch zu viel", fügte der SPD-Politiker hinzu, "zumal ein Viertel der Langzeitarbeitslosen bereits mehr als vier Jahre arbeitslos ist".

2019 solle deshalb "im Zeichen der Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit" stehen, kündigte der Minister an. Das zum Jahreswechsel eingeführte Teilhabechancengesetz eröffne langzeitarbeitslosen Menschen über einen sozialen Arbeitsmarkt Perspektiven für den Weg in einen geregelten Arbeitsalltag. "Das verbessert das Leben der Menschen ganz konkret", sagte Heil.

Ziel des Gesetzes ist es, Langzeitarbeitslosen wieder zu einem Job zu verhelfen. Werden sie in der Wirtschaft, in sozialen Einrichtungen oder Kommunen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, wird dafür ein nach und nach sinkender staatlicher Lohnzuschuss gezahlt.

Die Grünen mahnten indes, die Bundesregierung dürfe sich von den guten Rahmenbedingungen auf dem Arbeitsmarkt nicht blenden lassen und müsse sich 2019 um die "Schattenseiten des Arbeitsmarkts" kümmern. Obwohl die Zahlen sanken, seien "trotzdem mehr als 4,1 Millionen Menschen auf das Arbeitslosengeld II angewiesen", kritisierte der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Wolfgang Strengmann-Kuhn. "Diese Zahl ist nicht nennenswert gesunken."

Darunter seien mehr als 1,1 Millionen Erwerbstätige, die ihr geringes Einkommen mit Hartz IV aufstocken müssten. Außerdem erhielten Frauen bei gleicher Qualifikation immer noch über ein Fünftel weniger Stundenlohn als Männer.

Eine "Trendwende zu guter Arbeit" sei auch im vergangenen Jahr verpasst worden, kritisierte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Sabine Zimmermann. "Anstatt sich über einen vermeintlichen Fachkräftemangel zu beklagen, sollten die Arbeitgeber stärker als bisher die Einstellung von langzeiterwerbslosen Menschen in Erwägung ziehen", forderte sie.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit gibt es trotz einer "sehr hohen Nachfrage nach Arbeitskräften" noch keinen umfassenden Fachkräftemangel. Gleichwohl gibt es demnach in einer wachsenden Zahl von Berufen Engpässe - vor allem im IT-Bereich, in der Energietechnik, auf dem Bau und bei Gesundheits- und Pflegeberufen.

Im Dezember stieg die Arbeitslosigkeit jahreszeitlich bedingt im Vergleich zum November leicht um 23.000 Menschen an. Gegenüber dem Vorjahresmonat waren allerdings 175.000 weniger Menschen arbeitslos. Die Arbeitslosenquote lag damit stabil bei 4,9 Prozent.


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