03.01.2019, 17:51 Uhr

Paris (AFP) UNHCR: 2018 mehr als 2260 Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben

Flüchtling in Tarifa an der Südküste Spaniens. Quelle: AFP/Archiv/JORGE GUERRERO (Foto: AFP/Archiv/JORGE GUERRERO)Flüchtling in Tarifa an der Südküste Spaniens. Quelle: AFP/Archiv/JORGE GUERRERO (Foto: AFP/Archiv/JORGE GUERRERO)

Mehr als 121.000 Menschen erreichten 2018 europäisches Territorium

Mehr als 2260 Flüchtlinge sind nach UN-Angaben im vergangenen Jahr im Mittelmeer gestorben. Die Zahl der Toten oder als vermisst gemeldeten Menschen liege bei 2262, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Donnerstag mit. Im Vorjahr waren 3139 Todes- oder Vermisstenfälle registriert worden. Die Gesamtzahl der über das Meer nach Europa gekommenen Menschen ging demnach von 172.301 im Jahr 2017 auf 114.941 zurück. 2015 waren noch mehr als eine Million Menschen über das Meer nach Europa gelangt.

Die UNHCR-Sprecherin in Frankreich, Céline Schmitt, erklärte, seit Jahren sei das Mittelmeer für Migranten und Flüchtlinge der "weltweit tödlichste Seeweg". Die Sterblichkeitsrate bei der versuchten Überquerung des Mittelmeeres sei umgerechnet auf die Zahl der Flüchtlinge stark gestiegen.

Mit 55.756 kamen 2018 die meisten über das Meer geflüchteten Migranten in Spanien an. Zuvor waren Italien und Griechenland die Hauptankunftsländer.

Neben dem Seeweg über das Mittelmeer gelangten nach am Donnerstagnachmittag aktualisierten Zahlen des UNHCR im vergangenen Jahr zudem rund 6800 Flüchtlinge in die in Marokko liegenden spanischen Exklaven Ceuta und Melilla. Damit erreichten demnach im Jahr 2018 insgesamt 121.755 Migranten europäisches Territorium.

In Italien landeten im vergangenen Jahr laut UNHCR 23.371 Flüchtlinge, etwa ein Fünftel der 2017 registrierten 119.369. Der deutliche Rückgang ist ein Ergebnis von Roms äußerst restriktiver Flüchtlingspolitik.

Bei den Herkunftsländern der Migranten und Flüchtlinge stand Guinea mit 13.068 an der Spitze, gefolgt von Marokko (12.745) und Mali (10.347). Danach folgten Syrien (9839), Afghanistan (7621) und der Irak (7333).

Mehrere Rettungsschiffe von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) irrten vergangenes Jahr auf dem Meer umher, weil unter anderen Italien und Malta ihnen die Einfahrt in ihre Häfen verweigerten. Anfang Dezember musste die von Ärzte ohne Grenzen (MSF) und SOS Méditerranée betriebene "Aquarius" ihre Mission einstellen. Nach Angaben der beiden Organisationen retteten sie mit dem Schiff mehr als 30.000 Menschen.

Nach Tagen auf hoher See zeichnete sich zuletzt für dutzende Flüchtlinge an Bord zweier von deutschen Rettern betriebenen Hilfsschiffen eine Verbesserung ihrer Lage ab. Malta erklärte sich am Mittwoch immerhin bereit, die beiden Schiffe näher an der Küste in seinen Gewässern fahren zu lassen. Grund sei die sich verschlechternde Situation an Bord, hieß es zur Erklärung.

Die "Sea-Watch 3" der deutschen NGO Sea-Watch hatte am 22. Dezember 32 Flüchtlinge in internationalen Gewässern im Mittelmeer gerettet, darunter drei kleine Kinder, drei unbegleitete Jugendliche und vier Frauen. Das umgerüstete deutsche Forschungsschiff "Professor Albrecht Penck" der deutschen Flüchtlingshilfsorganisation Sea-Eye hatte am Samstag 17 weitere in Seenot geratene Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet.

Die Niederlande erklärten sich am Mittwoch bereit, einen Teil der Flüchtlinge von der "Sea-Watch 3" aufzunehmen. Voraussetzung sei, dass auch andere EU-Staaten einen Teil der Flüchtlinge aufnähmen. Darüber liefen Verhandlungen unter Vermittlung der EU-Kommission.

Die EU-Kommission rief am Donnerstag dazu auf, bei der Aufnahme der Flüchtlinge "mehr Solidarität" zu zeigen. Eine Sprecherin sagte, die Kommission habe "Kontakt zu einer bestimmten Zahl von Mitgliedstaaten aufgenommen", damit die Menschen die beiden Schiffe rasch verlassen könnten.

UNHCR-Sprecherin Schmitt erklärte, es sei unabdingbar, aus der "Sackgasse" herauszukommen und nicht jedes Mal nur von Fall zu Fall Lösungen für die geretteten Flüchtlinge an Bord von Hilfsschiffen zu suchen. Notwendig sei ein "regionaler Mechanismus", damit die Schiffe Häfen ansteuern könnten.


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