02.01.2019, 16:25 Uhr

Korsør (AFP) Sechs Tote und 16 Verletzte bei schwerem Zugunglück auf Brücke in Dänemark


Leerer Lkw-Anhänger fiel offenbar von Güterzug vor einen Passagierzug

Ein leerer Lastwagen-Anhänger ist vermutlich für das schwerste Zugunglück in Dänemark seit gut 30 Jahren verantwortlich. Auf der Brücke über den Großen Belt sei offenbar ein leerer Anhänger von einem Güterzug gefallen, sagte der Ermittler Bo Haaning am Mittwoch dem dänischen Sender DR. Der Anhänger habe entweder den vorbeifahrenden Passagierzug getroffen oder sei vor diesen gefallen. Sechs Menschen wurden getötet.

Das Unglück ereignete sich gegen 07.30 Uhr auf der Brücke über den Großen Belt, die die dänischen Inseln Seeland im Osten und Fünen im Westen verbindet. Es sei zu früh zu sagen, warum oder wie der leere Lastwagen-Anhänger vom Güterzug gefallen sei, sagte Haaning. Klar sei aber, dass auf dem Güterzug ein Anhänger fehle und ein Anhänger in den Unfall verwickelt gewesen sei. Den Angaben zufolge musste der Passagierzug heftig bremsen.

An Bord saßen 131 Passagiere und drei Zugbegleiter. "Wir bestätigen, dass sechs Menschen tot sind", sagte ein Vertreter der dänischen Bahngesellschaft DSB. Die 16 Verletzten schwebten nicht in Lebensgefahr, teilte die Polizei mit.

Der Güterzug wurde von der Frachttochter der Deutschen Bahn, DB Cargo, betrieben. Ein Unternehmenssprecher verwies auf die ermittelnden Behörden vor Ort.

Die dänische Polizei teilte mit, die beiden Lokführer würden befragt. Zudem würden die Aufnahmen von Überwachungskameras der Brücke ausgewertet, um die Unglücksursache zu klären. Zunächst hatten Medien berichtet, dass ein im Sturm abgerissenes Dach eines Containers auf dem Güterzug auf den Passagierzug gekracht sei.

Das Sturmtief "Zeetje" mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometern hatte in der Nacht und am Mittwochmorgen in Teilen Skandinaviens für Stromausfälle und Verkehrsbehinderungen gesorgt. Fähren fielen aus und Brücken wurden gesperrt. Auf der Nordsee verlor ein Frachtschiff im Sturm bis zu 270 Container.

Auf Bildern von der Unglücksstelle auf der dänischen Brücke war zu sehen, dass ein nicht näher zu erkennender Gegenstand - vermutlich der leere Lkw-Anhänger - vor dem Passagierzug lag. Auf dem Güterzug waren die Abdeckplanen mehrerer Lastwagen-Container aufgerissen, dahinter waren zum Teil umgestürzte Bierkästen zu sehen.

Die Mitreisende Heidi Langberg Zumbusch sagte dem Sender DR, es habe zunächst einen "lauten Aufprall" gegeben - "und dann fielen die Fenster auf unsere Köpfe". Die Passagiere seien auf den Boden geworfen worden, dann habe der Zug gestoppt. Der 19-jährige Simon Voldsgaard Tondering sagte der Zeitung "Politiken", der Zug habe plötzlich heftig gewackelt. "Ich sah aus dem Fenster und da flogen Funken an der Seite des Zugs." Plötzlich seien sämtliche Fenster zersprungen.

Dänemarks Regierungschef Lars Lokke Rasmussen sprach den Opfern und ihren Angehörigen sein Mitgefühl aus. "Das Leben von ganz normalen Dänen, die auf dem Weg zur Arbeit waren oder auf der Rückreise aus den Ferien, wurde zerstört", sagte er. Das sei "tieftraurig".

Die 18 Kilometer lange Verbindung über den Großen Belt ist für die Dänen verkehrstechnisch wichtig. Sie besteht zwischen Seeland und der kleinen Insel Sprogo aus einer Autobahn-Hängebrücke und einem Eisenbahntunnel. Zwischen Sprogo und Fünen verlaufen sowohl der Straßen- als auch der Zugverkehr auf einer Brücke. Auf Seeland liegt die dänische Hauptstadt Kopenhagen.

Der Unfall auf der Brücke über den Großen Belt war das schwerste Zugunglück in Dänemark seit fast 30 Jahren. 1988 waren acht Menschen getötet und 72 verletzt worden, als ein Zug in Soro auf Seeland bei hoher Geschwindigkeit entgleiste.


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