02.01.2019, 12:36 Uhr

Tokio (AFP) Japaner feiern Kaiser Akihito bei seiner letzten Neujahrsansprache


85-jähriger Monarch wünscht Untertanen vor seiner Abdankung "Frieden und Glück"

Vor einer Rekordzahl von fast 155.000 Zuschauern hat Japans Kaiser Akihito am Mittwoch seine letzte Neujahrsansprache vor seiner Abdankung gehalten. Er freue sich "aufrichtig" darüber, noch einmal zusammen mit seinen Untertanen das neue Jahr zu begrüßen, sagte der 85-jährige Monarch auf dem Balkon seines Palastes in Tokio. Dort erschien er insgesamt sieben Mal, um sich noch einmal so vielen Landsleuten wie möglich zu zeigen.

"Ich hoffe, dass dieses Jahr für so viele Menschen wie möglich ein gutes Jahr wird", sagte Akihito im Beisein von Kaiserin Michiko und anderen Mitgliedern der Kaiserfamilie. "Ich bete für den Frieden und das Glück der Menschen in unserem Land und in aller Welt."

Viele Menschen schwenkten japanische Flaggen, sangen die Nationalhymne und wünschten dem Monarchen mit dem Ausruf "Banzai" ein langes Leben. "Ich bin mit meiner Mutter gekommen, damit sein letzter Auftritt sich in unser Gedächtnis einbrennt", sagte die Studentin Yume Nishimura. Sie danke dem Kaiser für seine "harte Arbeit für das Land". Der Rentner Kazuo Iwasaki sagte, er wünsche dem Monarchen, dass er seinen Ruhestand "gesund und entspannt" mit Kaiserin Michiko genießen könne.

Akihito wollte sich ursprünglich fünf Mal auf dem Balkon zeigen, um sich von so vielen Landsleuten wie möglich verabschieden zu können. Als er aber gesehen habe, dass auch am Nachmittag noch unzählige Untertanen vor dem Palast standen, habe der Kaiser darauf bestanden, ihnen öfter zuzuwinken, sagte ein Palastsprecher. Insgesamt seien 154.800 Menschen gekommen, um Akihito zu sehen.

Akihito tritt Ende April als erster japanischer Monarch seit mehr als zwei Jahrhunderten zurück. Am 1. Mai besteigt sein ältester Sohn, Kronprinz Naruhito, den Chrysanthemen-Thron.

Akihito war nach dem Tod seines Vaters Hirohito 1989 auf den Thron gekommen. Als er im Jahr 2016 mit Verweis auf sein Alter und gesundheitliche Probleme seine Abdankung andeutete, war das Land schockiert. Vor etwas mehr als einem Jahr gab die Regierung dann den Termin für seine Abdankung bekannt.

Der Kaiserpalast in Tokio ist nur zwei Mal im Jahr für die Öffentlichkeit zugänglich - am Geburtstag des Kaisers und am zweiten Tag eines neuen Jahres. In der emotionalen Ansprache zu seinem 85. Geburtstag hatte Akihito bereits am 23. Dezember auf seine Herrschaft zurückgeblickt. Er empfinde "großen Trost", dass sein Land während seiner Regentschaft "frei von Krieg" geblieben sei, sagte er damals.

Akihito brachte während seiner Herrschaft immer wieder seine pazifistischen Ansichten zum Ausdruck, die im scharfen Kontrast mit dem aggressiven Expansionismus Japans unter seinem Vater standen. Er etablierte die Rolle des Kaisers als "Symbol des Staates" im Gegensatz zum göttlichen Status, der seinem Vater nach dem Krieg aberkannt worden war. Er bemühte sich zudem um eine größere Nähe zum japanischen Volk.


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