01.01.2019, 19:50 Uhr

Moskau (AFP) Baby nach Gasexplosion aus zerstörtem Hochhaus in Russland gerettet


Mindestens neun Tote - weiter Suche nach Überlebenden

Einen Tag nach der Gasexplosion in einem Plattenbau in Russland mit mindestens neun Toten ist ein Baby lebend aus den Trümmern gerettet worden. "Die Einsatzkräfte hörten ein Weinen", berichtete der Gouverneur Boris Dubrowski am Dienstag. Der zehn Monate alte Junge wurde befreit und schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Die Suche nach dutzenden Vermissten musste wegen Einsturzgefahr vorübergehend eingestellt werden.

Die Explosion in dem Plattenbau in der Industriestadt Magnitogorsk im Ural hatte sich am Silvestermorgen ereignet. Neun Tote wurden bis Dienstag aus den Trümmern des teilweise eingestürzten Gebäudes geborgen. Sechs Menschen konnten gerettet werden, darunter ein 13 Jahre alter Junge. Mehrere dutzend Bewohner wurden am Dienstag weiterhin vermisst.

Das Baby habe die Nacht bei eisigen Temperaturen überlebt, "weil es in einer Wiege lag und warm eingewickelt war", berichtete Dubrowski, der Gouverneur der Region Tscheljabinsk. Nach Angaben des russischen Gesundheitsministeriums erlitt der Säugling mit dem Namen Wanja schwere Erfrierungen, eine Kopfverletzung und mehrfache Beinbrüche. Er werde zur Behandlung nach Moskau gebracht. Seine Mutter habe das Unglück ebenfalls überlebt und ihr Kind gesehen, berichteten die Rettungsdienste.

"Ein Wunder ist zu Beginn des Neuen Jahres geschehen!" hieß es in einer Erklärung des russischen Ministeriums für Katastrophenschutz. Der kleine Junge heiße Iwan Fokin.

In dem 1973 errichteten Plattenbau hatten 1100 Menschen gewohnt. 35 Wohnungen wurden bei der Gasexplosion zerstört, zehn weitere beschädigt. Bei Temperaturen von minus 27 Grad suchten die Rettungskräfte die ganze Nacht über nach Überlebenden.

Am Dienstagmorgen musste die Suche aber für mehrere Stunden eingestellt werden, um die einsturzgefährdeten Mauern der Ruine zu stabilisieren. Am Nachmittag konnten die Rettungskräfte ihren Einsatz fortsetzen.

Präsident Wladimir Putin war am Montag nach Magnitogorsk gereist, um mit Überlebenden und Helfern zu sprechen. Gouverneur Dubrowski rief für Mittwoch einen Trauertag in der Region aus.

Die Justiz leitete nach der Explosion Ermittlungen ein. In Russland kommt es immer wieder zu Gasexplosionen. Viele Gebäude stammen noch aus der Sowjetzeit und sind in schlechtem Zustand, vielfach werden auch Sicherheitsregeln nicht eingehalten.

Magnitogorsk ist eine große Industriestadt im Ural, sie beherbergt das größte Stahlwerk des Landes. Mitarbeiter beteiligten sich an dem Bergungseinsatz. Der Milliardär Viktor Raschnikow, der das Stahlwerk betreibt, rief zu einer gemeinsamen Kraftanstrengung auf. "Wir teilen den Schmerz", erklärte er.


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