28.12.2018, 12:46 Uhr

Berlin (AFP) Mittelstand befürchtet 2019 Abgleiten in Rezession

Arbeiter in einer Gießerei. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Jens Büttner (Foto: dpa/AFP/Archiv/Jens Büttner)Arbeiter in einer Gießerei. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Jens Büttner (Foto: dpa/AFP/Archiv/Jens Büttner)

Verbandspräsident Ohoven sieht Wachstum und Wohlstand auf dem Spiel

Der deutsche Mittelstand blickt mit Sorge ins neue Jahr: Knapp 53 Prozent der Mittelständler erwarten, dass Deutschland in den kommenden zwölf Monaten in die Rezession abgleiten könnte, wie eine am Freitag vorgestellte Unternehmerumfrage des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) ergab. 2019 stünden "Wachstum und Wohlstand auf dem Spiel", warnte Mittelstandspräsident Mario Ohoven.

Die Sorge der Unternehmer sei "nicht unbegründet", sagte Ohoven in Berlin. "Das globale Wachstum geht zurück, ein harter Brexit mit noch unabsehbaren Folgen droht, Handelssanktionen greifen um sich, und der bisherige Wachstumsmotor Automobilindustrie stottert."

Außerdem dämpfe der "anhaltende, massive Fachkräftemangel" die Wachstumsaussichten. Der Umfrage zufolge geben weniger als acht Prozent der Unternehmer an, dass es ihnen problemlos gelingt, geeignete Arbeitskräfte für offene Stellen zu finden.

Zuversichtlich zeigen sich die Unternehmer indes, wenn es um das eigene Unternehmen geht: So schätzen fast 52 Prozent ihre gegenwärtige Geschäftslage als gut ein, 18 Prozent sogar als sehr gut. Ein Drittel der Mittelständler erwartet für die kommenden zwölf Monate eine noch günstigere Entwicklung, lediglich knapp 15 Prozent eine ungünstigere.

Ohoven appellierte an die Politik, nun vor allem in der Haushaltspolitik umzusteuern und den Anstieg der Sozialausgaben zu begrenzen. "Dem Personalwechsel an der Spitze der Union muss ein Politikwechsel der großen Koalition folgen", forderte Ohoven. Nur dann könne der Mittelstand auch im neuen Jahr seine Rolle als Wachstums- und Jobmotor erfüllen.

Zu den vorrangigen Aufgaben der Politik gehört aus Sicht der Unternehmer eine Senkung der Steuerbelastung für Unternehmen; für die Abschaffung des Solidaritätszuschlags sprechen sich 82,5 Prozent der Befragten aus. Einen beschleunigten Breitbandausbau fordern 64,7 Prozent, für die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung plädieren knapp 77 Prozent.

In der Umfrage wurden die Mittelständler auch nach ihren Wahlabsichten zur Europawahl 2019 befragt. Demnach hätten Union und FDP zusammen eine Zweidrittelmehrheit. Die SPD käme hingegen auf lediglich 3,5 Prozent. Die Sozialdemokraten müssten "dringend ein Angebot an den Mittelstand machen", konstatierte Ohoven.


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