27.12.2018, 13:31 Uhr

Berlin (AFP) "Spiegel": Fehler der Lufthansa verursachte Panne bei Merkel-Reise zu G20-Gipfel

Merkel verlässt Ende November ihren Flieger in Köln. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Jörg BLANK (Foto: dpa/AFP/Archiv/Jörg BLANK)Merkel verlässt Ende November ihren Flieger in Köln. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Jörg BLANK (Foto: dpa/AFP/Archiv/Jörg BLANK)

Piloten sollen Notfall-Anleitung nicht gekannt haben - Lufthansa widerspricht

Ein Fehler der Lufthansa ist laut "Spiegel" verantwortlich für die Flugzeug-Panne, aufgrund derer Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verspätet zum G20-Gipfel in Argentinien kam. Der Defekt sei von einer fehlerhaften Lötstelle ausgelöst worden, berichtete das Magazin am Donnerstag. Zum Totalausfall des Funksystems habe aber wohl ein Lapsus der Lufthansa geführt. Ein Lufthansa-Sprecher wies dies zurück. Es seien "zu jedem Zeitpunkt sämtliche luftrechtliche Vorgaben eingehalten" worden.

Lufthansa Technik, eine Tochter der Fluglinie, habe den A340 der Flugbereitschaft 2009 umgebaut und warte den Jet seitdem regelmäßig, schrieb der "Spiegel". Laut einem vertraulichen Bericht des Generals Flugsicherheit der Bundeswehr vom 15. Dezember habe es die Lufthansa nach einer dieser Wartungen im Jahr 2010 versäumt, die Piloten der Flugbereitschaft und den Hersteller Airbus über ein neu eingebautes digitales Kommunikationssystem in dem Jet zu informieren.

Auf dem Weg nach Argentinien Ende November sei es den Piloten der "Konrad Adenauer" deshalb nicht gelungen, nach einem Stromausfall der Bordelektronik das ausgefallene Funksystem für den Kontakt mit dem Boden wieder in Gang zu setzen. Am Ende mussten die Piloten über den Niederlanden umdrehen und mit vollen Tanks in Köln landen. Die Kanzlerin und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) flogen am nächsten Tag mit einem Linienflug zum G20-Gipfel.

Ein Sprecher von Lufthansa-Technik sagte am Donnerstag auf Anfrage: "Klar ist, dass Lufthansa Technik zu jedem Zeitpunkt sämtliche luftrechtliche Vorgaben eingehalten hat." Das gelte auch für den Umgang mit Dokumentationspflichten. Lufthansa Technik sei umfassend in die Untersuchung des Vorfalls eingebunden gewesen. Weitere Angaben wollte er nicht machen, da die Kommunikationshoheit bei der Luftwaffe liege.

Luftwaffen-Brigadegeneral Peter Klement, bei der Truppe für alle Flugunfälle zuständig, untersuchte den Vorfall genau. Weil ein Flug ohne Funksystem und eine Landung mit vollen Tanks durchaus gefährlich ist, stufte er den Defekt nachträglich in die Kategorie C für erhebliche Vorfälle hoch, wie der "Spiegel" berichtete.

Der "Spiegel" berichtete aus einem vierseitigen Dossier der Luftwaffe, dass kurz nach dem Start eine "fehlerhafte Lötstelle" an einem Transformator einen Stromausfall in Teilen der Bordelektronik verursacht habe. Normalerweise sei ein solcher Defekt kein großes Problem, da der Jet wie andere Verkehrsflugzeuge über mehrere Transformator-Einheiten verfüge. Bei einem Defekt springen diese sofort ein und sichern die Stromversorgung für die wichtigsten Bord-Geräte.

Im Fall des Regierungs-Airbus aber hielt dies nur 70 Sekunden an, da gleich "mehrere defekte Umschaltrelais" in der Bordelektronik die Notstromversorgung sofort wieder lahmlegten, zitierte der "Spiegel" aus dem Dossier. Nur mit dem Satellitentelefon gelang es demnach den Piloten, ihren Kommandostand in Köln zu erreichen.

Heikel sei die Situation durch einen Fehler der Lufthansa geworden, so der "Spiegel". Bereits 2010 habe die Wartungsgesellschaft in dem A340 ein digitales "Audio Management Unit" (AMU) eingebaut, das die gesamte Kommunikation der Piloten kontrolliert.

Mit der neuen Technik könne aber bei einem Stromausfall "bei einer digitalen AMU im Gegensatz zur analogen AMU die Kommunikation nicht wiederhergestellt werden", so der Bericht. Anhand der Notfall-Checkliste an Bord hätten die Piloten vergeblich versucht, den Funk neu zu starten. Die zu dem neuen System gehörende Notfall-Anleitung sei ihnen nicht bekannt gewesen.


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