26.12.2018, 04:19 Uhr

Tripolis (AFP) Drei Tote bei mutmaßlichem IS-Anschlag auf libysches Außenministerium in Tripolis

Einsatz am Anschlagsort in Tripolis. Quelle: AFP/Mahmud TURKIA (Foto: AFP/Mahmud TURKIA)Einsatz am Anschlagsort in Tripolis. Quelle: AFP/Mahmud TURKIA (Foto: AFP/Mahmud TURKIA)

Attacke macht schlechte Sicherheitslage in Krisenstaat deutlich

Bei einem mutmaßlich von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) verübten Anschlag auf das libysche Außenministerium sind drei Menschen getötet worden. 21 weitere Menschen wurden bei der Attacke in Tripolis am Dienstag verletzt, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Der Anschlag machte erneut die schlechte Sicherheitslage in dem nordafrikanischen Krisenstaat deutlich und löste auch international Bestürzung aus.

Der Sprecher der libyschen Spezialkräfte, Tarak al-Dawass, sagte, zunächst sei in der Nähe des Außenministeriums eine Autobombe explodiert. Als Sicherheitskräfte herbeieilten, habe sich ein Selbstmordattentäter im zweiten Stock des Gebäudes in die Luft gesprengt. Ein zweiter Selbstmordattentäter sei gestorben, als ein Koffer in seiner Hand explodiert sei. Ein dritter Angreifer sei vor dem Gebäude von Sicherheitskräften getötet worden. Der Mann sei unbewaffnet gewesen und habe eine schusssichere Weste getragen.

Nach Angaben von Außenminister Tahar Siala handelte es sich bei einem der drei Todesopfer des Anschlags um einen ranghohen Diplomaten. Ibrahim al-Schaibi sei Abteilungsleiter im Ministerium gewesen.

Der Sprecher der Spezialkräfte machte die IS-Miliz für den tödlichen Anschlag verantwortlich. Die Dschihadistengruppe selbst reklamierte die Attacke Stunden später für sich: Drei "Soldaten des Kalifats" hätten das Außenministerium mit Sprengstoffgürteln und Automatikwaffen gestürmt, heißt es in einer in sozialen Netzwerken verbreiteten IS-Erklärung.

Innenminister Fathi Basch Agha räumte bei einer Pressekonferenz ein "Sicherheitschaos" in Libyen ein. Das Land sei "außer Kontrolle", diese Lage biete einen "fruchtbaren Boden" für den IS. Außenminister Siala sagte, die Vereinten Nationen müssten das gegen Libyen verhängte Waffenembargo zumindest teilweise wieder aufheben. "Das ist notwendig, um Sicherheit zu garantieren und den Terrorismus zu bekämpfen."

Der Leiter der UN-Mission in Libyen (Unsmil), Ghassan Salame, sprach von einem "feigen Terroranschlag" und versprach eine Zusammenarbeit mit den Libyern im Kampf gegen "Terrorgruppen". Eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini warnte, der Angriff bedrohe die ohnehin fragile Sicherheitslage in Tripolis weiter.

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 herrscht Chaos in Libyen. Die international anerkannte Regierung ist schwach und hat weite Teile des Landes nicht unter Kontrolle. Ihre Autorität wird von einer Gegenregierung in Frage gestellt, die im Osten des Landes herrscht. Rivalisierende Milizen, Stämme und Dschihadisten kämpfen um die Kontrolle von Gebieten und den großen Ölvorkommen.

Der IS konnte sich inmitten des Chaos im Jahr 2015 in der Küstenstadt Sirte festsetzen. Erst nach monatelangen Kämpfen konnte die Dschihadistenmiliz aus der Stadt vertrieben werden.

Der IS ist aber immer noch in Libyen aktiv und bekannte sich in diesem Jahr zu mehreren Anschlägen in dem Land. Im September beanspruchte er einen Selbstmordanschlag auf den Sitz der libyschen Ölgesellschaft im Zentrum von Tripolis für sich, bei dem zwei Menschen getötet wurden. Einen Anschlag auf die Wahlkommission im Mai mit 14 Toten reklamierte der IS ebenso für sich wie einen Angriff auf Milizionäre im Südosten des Landes im November.


0 Kommentare