26.12.2018, 21:25 Uhr

Kasserine (AFP) Krawalle und Festnahmen nach Selbstverbrennung eines Journalisten in Tunesien

Tunesische Polizisten im Einsatz in Kasserine. Quelle: AFP/Hatem SALHI (Foto: AFP/Hatem SALHI)Tunesische Polizisten im Einsatz in Kasserine. Quelle: AFP/Hatem SALHI (Foto: AFP/Hatem SALHI)

Mann zündet sich aus Protest gegen hohe Arbeitslosigkeit an

Die Selbstverbrennung eines Journalisten in Tunesien hat Proteste und Ausschreitungen in dem nordafrikanischen Land ausgelöst. Nach der Beerdigung des 34-Jährigen errichteten dutzende Demonstranten in der Nacht zum Dienstag in Kasserine im Westen des Landes eine Barrikade aus brennenden Autoreifen und blockierten die Hauptverkehrsstraße. Die Polizei setzte Tränengas ein. In der Nacht zum Mittwoch gab es auch in zwei weiteren Städten Proteste.

Die Proteste in Kasserine hatten kurz nach der Beerdigung des 34-jährigen Abderrazak Zorgui begonnen. Der Journalist war am Montagabend seinen Verletzungen erlegen, nachdem er sich aus Protest gegen die hohe Arbeitslosigkeit und die allgemeine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in der Region Kasserine angezündet hatte.

In einem Video hatte Zorgui gesagt: "Für die Bewohner von Kasserine, die keine Mittel zum Lebensunterhalt haben, werde ich heute eine Revolution beginnen." Kasserine liegt 270 Kilometer von der Hauptstadt Tunis entfernt in einer der ärmsten Regionen Tunesiens.

Am Dienstagmorgen beruhigte sich die Lage zunächst, doch am Nachmittag gab es wieder Proteste. Dutzende Demonstranten gingen auf die Straße, die Polizei setzte erneut Tränengas ein. Vor dem Gouverneurssitz kam es zu Straßenschlachten. In der Nacht zum Mittwoch gingen die Ausschreitungen weiter.

Innenminister Hichem Fourati sagte am Mittwoch, wegen der Ausschreitungen in Kasserine habe es 13 Festnahmen gegeben. Die Randalierer hätten öffentlichen und privaten Besitz beschädigen wollen, kritisierte der Minister und warnte vor einer Instrumentalisierung der Demonstranten.

Auch in der Stadt Jbeniana im Osten und in Tebourba im Norden gab es in der Nacht Proteste. Nach Angaben von Behördensprechern wurden dabei in Jbeniana ein Polizist verletzt und in Tebourba mindestens fünf Menschen festgenommen. Das Innenministerium teilte mit, dass es im Zusammenhang mit der Selbstverbrennung in Kasserine eine Festnahme gegeben habe. Nähere Angaben machte das Ministerium nicht.

Die Selbstverbrennung eines tunesischen Gemüsehändlers hatte Ende 2010 den Arabischen Frühling ausgelöst. Am 17. Dezember 2010 hatte sich in Sidi Bouzid der junge Mohamed Bouazizi aus Verzweiflung über seine Lage angezündet und damit landesweite Proteste ausgelöst - auch in Kasserine.

Der Aufstand trieb im Januar 2011 den langjährigen Machthaber Zine El Abidine Ben Ali aus dem Amt und inspirierte ähnliche Proteste in Ägypten, Libyen, Jemen, Bahrain und Syrien.

Für den 14. Januar, den achten Jahrestag der Revolution, rief die tunesische Journalistengewerkschaft SNJT zu einem Generalstreik auf. Tunesien ist das einzige der Länder des Arabischen Frühlings, das sich von einer Autokratie zu einer liberalen Demokratie entwickelt hat. Allerdings sind die Lebensbedingungen der meisten Menschen aufgrund hoher Arbeitslosigkeit und steigender Inflation schlecht. Kommendes Jahr finden Präsidentschaftswahlen statt.


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