24.12.2018, 20:16 Uhr

Jakarta (AFP) Zahl der Todesopfer nach Tsunami in Indonesien auf 373 gestiegen


Noch fast 130 Menschen vermisst - Suchaktionen dauern an

Nach der Tsunami-Katastrophe in Indonesien ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 373 gestiegen. Das teilten die Behörden am Montag mit. Bislang war die Opferzahl offiziell mit 281 angegeben worden. Mehr als 1400 Menschen seien durch den Tsunami verletzt worden, teilte der Katastrophenschutz mit. Fast 130 Menschen würden noch vermisst. Unterdessen durchkämmten Rettungskräfte weiter die Trümmer.

Die Suchmannschaften gruben sich mit bloßen Händen, Baggern und anderem schweren Gerät durch den Schutt der von den Wassermassen zerstörten Häuser. "Das Militär und die Polizei durchsuchen die Ruinen, um zu sehen, ob wir weitere Opfer finden können", sagte ein hochrangiger Vertreter der Katastrophenschutzbehörde. Die Rettungsarbeiten würden wahrscheinlich eine Woche dauern.

Der Tsunami war am Samstagabend nach einem Vulkanausbruch ohne Vorwarnung über Küstenregionen und Touristenstrände an der Meerenge von Sunda hereingebrochen. Die Flutwellen trafen im Süden Sumatras und im Westen Javas an Land. Hunderte Gebäude wurden zerstört.

Nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde hätte die hohe Zahl an Opfern mit einem Frühwarnsystem für Tsunamis womöglich verhindert werden können. Die Menschen hätten keine Zeit gehabt, ihre Häuser zu verlassen, sagte Sprecher Sutopo Purwo Nugroho. Die Behörde hatte noch erklärt, es gebe "keine Tsunami-Bedrohung", als bereits die ersten Wellen an Land krachten.

Ausgelöst wurden die bis zu 90 Zentimeter hohen Wellen durch einen unterseeischen Erdrutsch nach einer Vulkaneruption auf der kleinen Insel Anak Krakatoa zwischen Java und Sumatra. Der Experte Richard Teeuw von der Universität Portsmouth warnte, es gebe eine "hohe" Wahrscheinlichkeit für weitere Tsunamis, solange die derzeitige Aktivität des Vulkans anhalte. Denn diese könne zu weiteren Erdrutschen unter Wasser führen.

Unterdessen kündigten weitere Organisationen Nothilfe für die betroffenen Regionen an. Das katholische Hilfswerk Misereor stellte nach eigenen Angaben seinen indonesischen Partnerorganisationen zunächst 30.000 Euro zur Verfügung. Ein medizinisches Team sei bereit in die Region Banten geschickt worden.

Indonesien wird immer wieder von katastrophalen Tsunami-Flutwellen heimgesucht. Diese entstehen in der Regel durch Erdbeben unter dem Meeresboden. Dass sie durch Vulkanausbrüche und Erdrutsche ausgelöst werden, ist eher selten.

Bei einem schweren Beben und einem anschließenden Tsunami kamen erst Ende September auf der indonesischen Insel Sulawesi mehr als 2000 Menschen ums Leben. Besonders verheerend war der Tsunami an Weihnachten 2004: Damals starben in den Anrainerstaaten um den Indischen Ozean rund 220.000 Menschen, allein 168.000 davon in Indonesien. Ausgelöst worden war diese Katastrophe durch ein Seebeben der Stärke 9,1.


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