21.12.2018, 16:39 Uhr

Kabul (AFP) USA ziehen die Hälfte ihrer 14.000 Soldaten aus Afghanistan ab


Präsident Ghani sieht keine Sicherheitsprobleme durch Trumps Abzugspläne

Neben dem Abzug aller US-Soldaten aus Syrien will US-Präsident Donald Trump auch rund 7000 US-Soldaten aus Afghanistan abziehen. "Rund die Hälfte" der 14.000 US-Einsatzkräfte werde das Land am Hindukusch "in den nächsten Monaten" verlassen, bestätigte ein US-Beamter am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Afghanistans Präsident Aschraf Ghani erklärte, ein Teilabzug der US-Truppen sei keine Gefahr für die Sicherheitslage in Afghanistan.

Die derzeit rund 14.000 in Afghanistan befindlichen US-Soldaten sind entweder für die Nato-Ausbildungs- und Unterstützungsmission "Resolute Support" oder für Anti-Terror-Operationen im Einsatz. Unklar war zunächst, welche Soldaten als erstes zurückgeholt werden sollten.

Ein Sprecher Ghanis teilte am Freitag in Kabul mit, ein Teilabzug der US-Truppen aus Afghanistan werde "keine Auswirkung auf die Sicherheit" haben. In den vergangenen viereinhalb Jahren hätten die Afghanen die "vollständige Kontrolle" über die Sicherheit im Land gehabt, sagte er zur Begründung.

In Berlin sagte der Sprecher von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die afghanischen Sicherheitskräfte bräuchten "weiter Unterstützung". Die USA stellten beim Nato-Einsatz ein "wesentliches Kontingent" und den Kommandeur.

Die Nato wollte sich zunächst nicht zu Trumps Plänen äußern. Eine Sprecherin bekräftigte aber das Engagement der Militärallianz in Afghanistan. "Unser Einsatz ist wichtig, um sicherzustellen, dass Afghanistan nie wieder ein sicherer Rückzugsort für internationale Terroristen wird", sagte die Nato-Sprecherin.

Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, bezeichnete die "überraschenden Kehrtwenden" Trumps als "katastrophal für die deutsche Sicherheits- und Verteidigungspolitik". Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan sei stets "abhängig von der Präsenz der US-Truppen" gewesen, sagte er dem "Tagesspiegel" (Samstagausgabe).

Der Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid wollte sich nicht zu den US-Plänen äußern. Ein ranghoher Taliban-Kommandeur im Nordwesten Pakistans zeigte sich jedoch "mehr als glücklich" über die Ankündigung. Die Miliz habe den Schritt nicht so schnell erwartet, sagte er AFP. "Wir erwarten weitere gute Nachrichten".

Afghanen in verschiedenen Landesteilen äußerten Sorge, dass der US-Teilabzug die Friedensbemühungen zunichte machen, die Taliban wieder an die Macht bringen und das Land in einen Bürgerkrieg stürzen könnte.

"Wir haben große Angst, dass sich die Geschichte wiederholt", sagte der Autowäscher Fasli Ahmed in Kandahar. Die Hausfrau Schaima Dabir sagte, sie fürchte um die Zukunft ihrer Kinder: "Afghanistan wird zurück in die Taliban-Ära fallen."

Unklar blieb zunächst, ob Trump seinen Afghanistan-Sonderbeauftragten Zalmay Khalilzad oder die afghanische Regierung vorab über seine Pläne informiert hat. Erst am Mittwoch hatte Trump im Alleingang einen vollständigen Abzug der US-Soldaten aus Syrien angekündigt. Am Donnerstag kündigte US-Verteidigungsminister Jim Mattis seinen Rücktritt an.

Im vergangenen Jahr hatten Mattis und Militärberater den US-Präsidenten noch dazu überreden können, angesichts eines Vormarschs der radikalislamischen Taliban tausende zusätzliche US-Soldaten nach Afghanistan zu entsenden. Damals gab Trump an, sein Instinkt rate ihm zu einem Rückzug aus Afghanistan.

Der US-Präsident traf seine Entscheidung zum Teilabzug aus Afghanistan nun am selben Tag wie seine Entscheidung zu Syrien. Zur selben Zeit verhandelte der US-Sonderbeauftragte Khalilzad am Dienstag in Abu Dhabi mit Vertretern der Taliban über eine Friedensvereinbarung.

"Würden Sie an einen Waffenstillstand denken, wenn Ihr Hauptgegner gerade die Hälfte seiner Truppen abgezogen hat?", sagte ein ranghoher ausländischer Diplomat in Kabul AFP.

Die Taliban und die IS-Miliz überziehen Afghanistan seit Monaten mit einer Welle der Gewalt. Seit der Übernahme der Sicherheitsverantwortung von der Nato im Jahr 2015 wurden nach Regierungsangaben fast 30.000 einheimische Soldaten und Polizisten getötet. Seit der US-Invasion im Jahr 2001 starben zudem mehr als 2200 US-Soldaten in Afghanistan, 13 von ihnen in diesem Jahr.


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