18.12.2018, 12:30 Uhr

Berlin (AFP) Giffey will mit Förderprogramm Fachkräftemangel bei Erziehern lindern

Kinder mit Erzieherin. Quelle: dpa/AFP/Waltraud Grubitzsch (Foto: dpa/AFP/Waltraud Grubitzsch)Kinder mit Erzieherin. Quelle: dpa/AFP/Waltraud Grubitzsch (Foto: dpa/AFP/Waltraud Grubitzsch)

Bund stellt 300 Millionen Euro zusätzlich zum Gute-Gita-Gesetz bereit

Familienministerin Franziska Giffey (SPD) will mit Bundesmitteln den Fachkräftemangel in den Kitas mildern: Sie stellte am Dienstag das Förderprogramm für die Erzieherausbildung mit einem Volumen von 300 Millionen Euro vor. "Es muss attraktiver werden, eine Ausbildung anzufangen, sie abzuschließen und danach im Beruf zu bleiben", sagte Giffey in Berlin. "Das ist eine Aufgabe für alle: Bund, Länder, Kommunen und Tarifparteien."

Das Programm sieht vor, von 2019 bis 2022 insgesamt rund 300 Millionen Euro als Impuls den Ländern und damit den Einrichtungen vor Ort zur Verfügung zu stellen - zusätzlich zu den 5,5 Milliarden Euro aus dem Gute-Kita-Gesetz, die unter anderem für einen besseren Personalschlüssel und bedarfsgerechte Öffnungszeiten verwendet werden sollen.

Mit dem zusätzlichen 300-Millionen-Euro-Programm soll nach Giffeys Worten eine praxisintegrierte vergütete Ausbildung eingeführt werden. Nach ihren Worten gibt es bislang nur bei 19 Prozent der Ausbildungsplätze eine Vergütung. Nunmehr sollen 5000 Plätze in der praxisintegrierten Ausbildung von Erzieherfachschülern gefördert werden, und zwar ab dem Ausbildungsjahr 2019.

Im ersten Jahr ist eine monatliche Ausbildungsvergütung von 1140 Euro brutto vorgesehen, im zweiten Jahr steigt sie auf 1202 Euro, im dritten auf 1303 Euro.

Zudem soll es mehr Praxisanleitung geben: Erreicht werden soll, dass sich mehr Erzieher zu professionellen Anleitungsfachkräften weiterqualifizieren. Außerdem soll es einen "Aufstiegsbonus" geben: Damit sich höhere Qualifikation und die Übernahme besonderer Verantwortung besser bezahlt machen, werden Zuschüsse zur Vergütung von Fachkräften gefördert, die aufgrund einer Zusatzqualifikation mit einer besonderen Aufgabe betraut werden und so mehr verdienen. "Alle Bemühungen um mehr Qualität werden nur dann funktionieren, wenn es fähige Menschen gibt, die das vor Ort machen", sagte Giffey.

Nach aktuellen Berechnungen wird die Personallücke in der frühen Bildung bis zum Jahr 2025 bei bis zu 191.000 Erziehern liegen, sagte die SPD-Ministerin.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte das Programm von Giffey als unzureichend. Wenn die Qualität der Kitas ausgebaut werden solle, gebe es eigentlich einen Bedarf von fast 600.000 Erziehern bis zum Jahr 2025, sagte Vorstandsmitglied Björn Köhler dem Bayerischen Rundfunk. "Das heißt, wir haben eine Lücke von 320.000 Fachkräften, die noch nicht geschlossen ist."

Auch der Unions-Familienexperte Marcus Weinberg (CDU) erklärte, die für die Fachkräfteoffensive im Jahr 2019 zur Verfügung gestellten 40 Millionen Euro seien "nur ein Tropfen auf den heißen Stein". Der Linken-Familienexperte Norbert Müller warf Giffey vor, sie wolle das Geld nach dem "Gießkannenprinzip" verteilen. Dies sei weder nachhaltig, noch werde es den Fachkräftemangel kurzfristig beseitigen.

Der Deutsche Städtetag forderte Verbesserungen für Quereinsteiger im Erzieherberuf. Für sie solle "die berufsintegrierte Ausbildung und für lebenserfahrene Bewerberinnen und Bewerber die Vollzeitausbildung erleichtert werden", sagte der Hauptgeschäftsführer des Städtetages, Helmut Dedy, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Er forderte von Bund und Ländern zudem, dass sie entsprechende Ausbildungsabschlüsse innerhalb der EU zügig anerkennen und klare Rahmenbedingungen für eine betriebliche, duale Ausbildung als weitere Ausbildungsoption schaffen sollten.


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