18.12.2018, 11:43 Uhr

Berlin (AFP) Von der Leyen mahnt zur Geduld beim Aufbau Afghanistans

Von der Leyen mit Soldaten in Masar-i-Scharif. Quelle: POOL/AFP/Kay Nietfeld (Foto: POOL/AFP/Kay Nietfeld)Von der Leyen mit Soldaten in Masar-i-Scharif. Quelle: POOL/AFP/Kay Nietfeld (Foto: POOL/AFP/Kay Nietfeld)

Afghanische Unterhändler nach Treffen der Taliban mit US-Vertretern in Abu Dhabi

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat bei ihrem Besuch von Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan zur Geduld beim Aufbau des Landes aufgerufen. Ganz wichtig sei es, "strategische Geduld zu haben" und "das Erreichte zu verteidigen", sagte sie am Dienstag im ZDF-"Morgenmagazin". Die Bundeswehr könne "nur Zeit sichern", bis eine politische Lösung im Konflikt zwischen Kabul und den Taliban gefunden sei.

Von der Leyen äußerte sich im Feldlager der Bundeswehr im nordafghanischen Masar-i-Scharif, wo sie am Montag zu ihrem traditionellen vorweihnachtlichen Besuch eingetroffen war. Sie begrüßte die "Verhandlungsbereitschaft" der Taliban und der afghanischen Regierung. Es müsse jedoch weiter Druck auf die Konfliktparteien ausgeübt werden, damit es zu Verhandlungen komme.

Zugleich betonte die Ministerin, dass die Bundeswehr mit ihrem Einsatz in Afghanistan in den vergangenen Jahren viel erreicht habe. Zwei Drittel der Bevölkerung stünden mittlerweile unter dem Schutz der afghanischen Sicherheitskräfte. "Wir sehen eine junge Bevölkerung, die lesen und schreiben kann, das war vor 15 Jahren die absolute Ausnahme." Allerdings gebe es derzeit ein "strategisches Patt" zwischen Regierungstruppen und Taliban.

Deutschland trägt als "Rahmennation" im Norden Afghanistans die Verantwortung für die Ausbildung, Beratung und Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte im Zuge des internationalen Nato-Einsatzes "Resolute Support". Derzeit sind rund 1150 deutsche Soldaten in Afghanistan stationiert.

Die Bemühungen um eine politische Lösung des seit 17 Jahre andauernden Konflikts scheinen unterdessen Fortschritte zu machen. Am Dienstag traf nach Angaben Kabuls ein Verhandlungsteam des afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani in Abu Dhabi ein, wo es am Vortag Gespräche zwischen Vertretern der radikalislamischen Taliban und der USA gegeben hatte.

Aufgabe des afghanischen Chefunterhändlers Abdul Salam Rahimi und seines Teams sei es, ein erstes Treffen der beiden Konfliktparteien vorzubereiten, erklärte Ghanis Sprecher auf Twitter. Allerdings hatten die Taliban noch am Montag ihre Ablehnung direkter Verhandlungen mit Kabul bekräftigt. Sie wollen lediglich über einen Abzug aller ausländischen Kräfte aus ihrem Land verhandeln.

Die radikalislamische Miliz berichtete derweil von "ausführlichen Treffen" mit Vertretern Pakistans, Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate, die auf Bitten Washingtons in dem Konflikt vermitteln. Zudem habe es "vorbereitende Gespräche" mit dem US-Sonderbeauftragten Zalmay Khalilzad gegeben.

Die USA bestätigten dies zunächst nicht. In einer Erklärung Washingtons hieß es am Montagabend lediglich, die Treffen in Abu Dhabi "zugunsten eines innerafghanischen Dialogs" dauerten an, Khalilzad halte sich in der Region auf. Der US-Beauftragte war ist seit seiner Ernennung im September immer wieder in der Region unterwegs. Er hofft auf ein Friedensabkommen noch vor der afghanischen Präsidentschaftswahl im April.


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