16.12.2018, 13:16 Uhr

Berlin (AFP) Lob und Kritk für Ergebnis von Kattowitz

Blick auf die Erde vom Weltall aus. Quelle: NASA/AFP/Archiv/ (Foto: NASA/AFP/Archiv/)Blick auf die Erde vom Weltall aus. Quelle: NASA/AFP/Archiv/ (Foto: NASA/AFP/Archiv/)

Einigung der UN-Klimakonferenz stößt in Deutschland auf geteiltes Echo

Erleichterung über die Einigung auf ein gemeinsames Regelbuch - und Ernüchterung über wenige konkrete Maßnahmen zur Begrenzung der Erderwärmung: Die Einigung bei der UN-Klimakonferenz in Kattowitz ist in Deutschland auf ein geteiltes Echo gestoßen. Während die deutsche Wirtschaft die Einigung der Staatengemeinschaft auf "solide und faire Klimaschutz-Regeln" am Sonntag begrüßte, kam von Grünen und der Hilfsorganisation Misereor scharfe Kritik.

Die Teilnehmer der UN-Klimakonferenz in Kattowitz hatten am Samstagabend nach zähen Verhandlungen ein Regelwerk zur konkreten Umsetzung des Pariser Klimaabkommens beschlossen. Zu den Knackpunkten gehören dabei die Transparenzregeln, denen zufolge die einzelnen Länder nach gleichen Maßstäben über ihre Anstrengungen und Fortschritte berichten sollen.

Dieses Ergebnis sei "eine Erleichterung", lobte der designierte Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Johan Rockström. "Die Staaten der Welt erkennen an, dass sie zusammenarbeiten müssen, um die Klimakrise anzupacken." Das Paris-Abkommen für globale Klimapolitik erweise sich als "quicklebendig, trotz einer Zunahme von Nationalismus und Populismus".

In Kattowitz sei "die Erfolgsgeschichte von Paris fortgeschrieben" worden, erklärte die Beauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Klimaschutz, Anja Weisgerber. Nur wenn die Maßnahmen zur Erreichung der Klimaziele "vergleichbar, transparent und kontrollierbar" seien, gebe es gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle. Dies sei die Bedingung für gegenseitiges Vertrauen.

Angesichts der fortschreitenden Erderwärmung sei das Ergebnis des Klimagipfels hingegen eine "herbe Enttäuschung", kritisierten die Grünen. Die zentrale Frage, was die einzelnen Staaten zur Erreichung des 1,5 Grad-Ziels beitragen, sei "vollkommen unbeantwortet" geblieben, erklärten Fraktionschef Anton Hofreiter und die klimapolitische Sprecherin Lisa Badum. "Mit einem technischen Regelbuch allein spart man noch keine einzige Tonne CO2 ein", kritisierte auch Parteichefin Annalena Baerbock.

Der Linken-Klimapolitiker Lorenz Gösta Beutin erklärte, der UN-Klimagipfel habe "ganz klar gezeigt, dass der weltweite Rechtsruck eine handfeste Gefahr für das Klima ist". Das Pariser Klimaabkommen von 2015 als "internationaler Minimalkonses" werde von der neuen Rechten auf allen Ebenen unter Beschuss genommen, kritisierte er. Die Bundesregierung müsse diesem "drohenden Klima-Rollback" Taten entgegenzusetzen - Kohleausstieg und Verkehrswende müssten nach Kattowitz "ganz oben auf die Agenda."

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) begrüßte die Einigung von Kattowitz indes als gute Nachricht für die deutsche Wirtschaft. "Wichtig für die Unternehmen ist, dass alle Staaten ähnlichen Verpflichtungen unterliegen und der Klimaschutz dadurch weltweit vorangetrieben wird", erklärte DIHK-Präsident Eric Schweitzer. Besonders Schwellenländer würden nun "perspektivisch auch stärker in die Pflicht genommen" und müssten über die Einhaltung ihrer Ziele detailliert berichten.

Der Maschinenbauverband VDMA bezeichnete das Ergebnis hingegen als "zu zögerlich". Viele Technologien für den Klimaschutz stünden schon bereit. Ein stärkeres Regelwerk wäre "ein wichtiges Zeichen gewesen für die Unternehmen, dass Investitionen in klimafreundliche Technologien sich langfristig lohnen", erklärte Naemi Denz, Mitglied der VDMA-Hauptgeschäftsführung.

Enttäuscht äußerte sich die katholische Hilfsorganisation Misereor. Die Weltgemeinschaft habe es in Polen versäumt, angemessen auf die spürbaren Folgen, Verluste und massiven Herausforderungen durch den Klimawandels zu reagieren. Vor allem in den ärmsten Länder sei "verlässliche Unterstützung bei der Bewältigung der Schäden und Verluste durch den Klimawandel" nötig, forderte Misereor-Chef Pirmin Spiegel.


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