12.12.2018, 19:54 Uhr

Straßburg (AFP) Täter nach Anschlag auf Straßburger Weihnachtsmarkt weiter auf der Flucht


Fahndung in Frankreich und Deutschland - Mann soll "Allahu Akbar" gerufen haben

Einen Tag nach dem Anschlag in Straßburg mit drei Toten und zwölf Verletzten ist der Täter weiter auf der Flucht. Französische und deutsche Ermittler fahndeten am Mittwoch unter Hochdruck nach dem mutmaßlichen Islamisten Chérif Chekatt. Die französische Polizei veröffentlichte ein Fahndungsfoto des 29-Jährigen, der auch in Deutschland bereits im Gefängnis saß. Die französische Regierung rief die höchste Terrorwarnstufe aus.

"Der Terrorismus hat erneut auf unserem Staatsgebiet zugeschlagen", sagte Staatsanwalt Rémy Heitz in Straßburg. Der 29-jährige Chekatt hat nach seinen Angaben ein langes Vorstrafenregister: Er wurde demnach 27 Mal in Frankreich, Deutschland und der Schweiz verurteilt, überwiegend wegen Diebstahls und Raubs.

In Frankreich beteiligten sich nach Angaben des Innenministeriums mehr als 700 Sicherheitskräfte an der Fahndung nach dem gebürtigen Straßburger. Sie schließen nicht aus, dass er nach Deutschland gelangt sein könnte. Die Bundespolizei fahndete deshalb "mit verstärkten Kräften" im deutsch-französischen Grenzgebiet.

Die französische Polizei bat die Bevölkerung mit einem öffentlichen Fahnungsaufruf um Mithilfe. Der Gesuchte sei aber "gefährlich", warnte die Polizei. Chekatts Mutter, sein Vater und zwei Brüder wurden nach Angaben aus Ermittlerkreisen am Mittwoch festgenommen und verhört. Es gab zudem mehrere Hausdurchsuchungen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft eröffnete Chekatt am Dienstagabend gegen 19.50 Uhr mit einer automatischen Pistole das Feuer nahe dem Straßburger Münster, wo der Weihnachtsmarkt stattfindet. Er sei dann durch die Fußgängerzone gelaufen und habe Menschen beschossen und mit einem Messer angegriffen. Nach Zeugenangaben soll er "Allahu Akbar" (Gott ist groß) gerufen haben, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

Zwei Menschen, unter ihnen ein thailändischer Tourist, wurden nach Behördenangaben getötet, ein drittes Opfer wurde später für hirntot erklärt. Zwölf Menschen wurden verletzt. Sechs von ihnen schwebten am Mittwoch weiter in Lebensgefahr. Deutsche sind nach offiziellen Angaben aus Berlin nicht unter den Opfern.

Soldaten eröffneten später das Feuer auf den Täter, wie Innenminister Christophe Castaner sagte. Sie verletzten ihn am Arm, konnten ihn aber nicht stoppen. Der Angreifer floh schließlich mit einem Taxi aus der Altstadt in Richtung des Wohnviertels Neudorf, wo sich seine Spur verlor.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich in einem Telegramm an Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron "tief erschüttert". Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach den Franzosen sein Beileid aus.

Chekatt wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft vom französischen Inlandsgeheimdienst DGSI überwacht und wegen seiner Radikalisierung als Gefährder geführt. Bisher habe es aber keine Erkenntnisse über eine bevorstehende islamistische Tat gegeben, hieß es aus dem Innenministerium.

Eigentlich sollte der Mann am Morgen vor der Tat festgenommen werden. Der Einsatz habe im Zusammenhang mit "einer versuchten Tötung" bei einem Raubüberfall gestanden, sagte Innenstaatsekretär Laurent Nuñez. Dabei fanden die Ermittler nach Angaben der Staatsanwaltschaft Waffen in der Wohnung des Verdächtigen: eine Granate, Munition und vier Messer.

Nach Angaben des Innenministeriums von Baden-Württemberg war der Verdächtige auch in Deutschland aktenkundig: 2016 war er wegen zweifachen Einbruchdiebstahls zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Ein Jahr später wurde er nach Frankreich abgeschoben. Als Gefährder wurde er aber in Deutschland nicht geführt.

Die französische Regierung rief nach dem Anschlag die höchste Terrorwarnstufe aus. Wie Premierminister Edouard Philippe am Abend mitteilte, werden die 7000 Soldaten des permanenten Anti-Terror-Einsatzes "Sentinelle" in den kommenden Tagen zudem um 1800 Soldaten verstärkt. Auf allen Weihnachtsmärkten und an Grenzen wurden die Sicherheitskontrollen verschärft.

Konservative und Rechtspopulisten forderten Präsident Macron erneut zu einem schärferen Vorgehen gegen Gefährder auf. Frankreich war in den vergangenen Jahren wiederholt Ziel islamistischer Anschläge geworden. Seit Anfang 2015 wurden dabei mehr als 240 Menschen getötet.

Der Straßburger Weihnachtsmarkt bleibt auch am Donnerstag geschlossen, Kindergärten und Schulen sollen aber wieder öffnen.


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