08.12.2018, 19:58 Uhr

Washington (AFP) Trump wechselt erneut Stabschef im Weißen Haus aus

Quelle: AFP/Archiv/JIM WATSON (Foto: AFP/Archiv/JIM WATSON)Quelle: AFP/Archiv/JIM WATSON (Foto: AFP/Archiv/JIM WATSON)

US-Präsident will Nachfolger von John Kelly bald bekanntgeben

US-Präsident Donald Trump dreht weiter am Personalkarussell: John Kelly, Stabschef im Weißen Haus, werde den Posten Ende des Jahres aufgeben, sagte Trump am Samstag vor Journalisten in Washington. Einen Nachfolger werde er in "ein oder zwei Tagen" bekanntgeben. Das Vertrauensverhältnis zwischen beiden soll seit längerem stark beschädigt gewesen sein.

In verschiedenen Positionen sei Kelly "fast zwei Jahre" in seinem Team gewesen, sagte Trump vor seinem Abflug nach Philadelphia, wo er sich ein Football-Spiel der Streitkräfte ansehen wollte. "Ich schätze seine Dienste sehr." Bevor Kelly im Sommer 2017 den Posten im Weißen Haus übernommen hatte, war er unter Trump kurze Zeit Heimatschutzminister.

Gerüchte, Kelly werde das Weiße Haus bald verlassen, gab es schon länger. Mitte November hatte Trump gesagt, es gebe "einige Dinge" an Kelly, die er möge, und andere, die er nicht möge. Der 68-Jährige mache "in vielerlei Hinsicht einen hervorragenden Job", "an irgendeinem Punkt" werde Kelly aber "weiterziehen wollen".

Kelly hatte den Job in der Machtzentrale in Washington Ende Juli 2017 von dem glücklosen Reince Priebus übernommen. Der Vier-Sterne-General sollte Disziplin in das Chaos im Weißen Haus bringen. Doch Trumps anfängliche Bewunderung für Kelly, den er damals "einen wahren Star meiner Regierung" nannte, kühlte sich offenbar bald deutlich ab. Zuletzt sollen die beiden laut US-Medienberichten kaum mehr miteinander gesprochen haben.

Kelly, der einen Sohn beim Militäreinsatz in Afghanistan verlor, diente mehr als vier Jahrzehnte lang in der Marineinfanterie. Während der US-geführten Invasion im Irak im Jahr 2003 kommandierte er Truppen, die in heftige Kämpfe verwickelt waren - während dieses Einsatzes wurde er zum General befördert. Er kehrte danach noch zwei Mal zu Einsätzen in den Irak zurück.

Später leitete Kelly das Südkommando der US-Streitkräfte, das die Militäreinsätze und -kooperationen in Lateinamerika und der Karibik steuert. Auf diesem Posten war er bereits für die Bekämpfung des Drogenhandels und der Schleuserkriminalität zuständig. Unter seiner direkten Verantwortung stand damals auch das umstrittene Haftlager in Guantanamo auf Kuba.

Der aus der liberalen Ostküstenmetropole Boston stammende General ist allerdings kein lupenreiner Hardliner. So hat er etwa - im scharfen Gegensatz zu Trumps anti-islamischen Tönen im Wahlkampf - für die Rechte religiöser Minderheiten plädiert. Die US-Soldaten "respektieren und kämpfen sogar für das Recht Deines Nachbarn, jeglichen Gott anzubeten", zitierte ihn einmal die "Washington Post".

Nun verlässt Kelly Trumps Team, das seit dessen Amtsantritt im Januar 2017 auch in Schlüsselpositionen oft gewechselt hat. Erst am Donnerstag hatte Rex Tillerson kritisch über seine Erfahrungen als Trumps Außenminister berichtet. Er bezeichnete den Präsidenten als "undiszipliniert" und berichtete, Trump habe mehrfach gegen geltende Gesetze verstoßen wollen. Daraufhin schmähte Trump den ehemaligen Topmanager, den er durch Mike Pompeo ersetzt hatte, als "dumm wie Stroh" und "total faul".

Erst am Freitag hatte Trump einen Nachfolger für den ebenfalls von ihm geschassten Justizminister Jeff Sessions angekündigt. William Barr, der schon in den neunziger Jahren unter dem damaligen US-Präsidenten George H.W. Bush Justizminister war, muss aber noch vom Senat bestätigt werden. Zudem will Trump die bisherige Außenamtssprecherin Heather Nauert zur neuen US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen machen, sie soll die scheidende Botschafterin Nikki Haley ersetzen.


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