09.12.2018, 20:15 Uhr

Berlin (AFP) Bahnfahrer müssen ab Montagmorgen mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen

Proteste von Eisenbahnern der EVG in Hannover. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Holger Hollemann (Foto: dpa/AFP/Archiv/Holger Hollemann)Proteste von Eisenbahnern der EVG in Hannover. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Holger Hollemann (Foto: dpa/AFP/Archiv/Holger Hollemann)

EVG bricht Gespräche ab und kündigt Ausstand an - Bahn: Überflüssige Eskalation

Zwei Wochen vor Weihnachten müssen sich Bahnfahrer auf Zugausfälle und Verspätungen einstellen: Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) rief für Montagfrüh zu Arbeitsniederlegungen auf. Bundesweit seien von 05.00 bis 09.00 Uhr Warnstreiks geplant, teilte die EVG mit. Sie will erst nach einem verbesserten Angebot die Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn wieder aufnehmen.

Von dem Ausstand sind nach Angaben der EVG S-Bahnen, der Regional- und Fernverkehr und auch der Güterverkehr "im gesamten Bundesgebiet" betroffen. Die Deutsche Bahn (DB) empfahl Reisenden, nach Möglichkeit auf den Dienstag auszuweichen. Auch bereits für Montag gebuchte Flexpreis- und Sparpreistickets mit Zugbindung würden dann noch gelten, sagte eine Bahnsprecherin.

Die EVG hatte am Samstag die Tarifverhandlungen in Hannover abgebrochen und angekündigt, Reisende müssten schon zu Wochenbeginn "mit erheblichen Zugausfällen rechnen". Die Deutsche Bahn kritisierte den Abbruch der Gespräche als "völlig überflüssige Eskalation".

Dagegen sagte die EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba, die Arbeitgeber hätten nur Angebote vorgelegt, "die nicht den Forderungen unserer Mitglieder entsprachen". Am Verhandlungstisch sei derzeit "offensichtlich kein Abschluss möglich".

EVG-Bundesgeschäftsführer Torsten Westphal erklärte am Sonntagabend in Berlin: "Wir kehren an den Verhandlungstisch zurück, wenn die DB AG deutlich macht, ernsthaft mit uns verhandeln zu wollen."

Die Bahn verhandelt in Hannover parallel mit der Lokführergewerkschaft GDL und der EVG. Beide Gewerkschaften fordern 7,5 Prozent mehr Geld und den Ausbau eines 2016 vereinbarten Wahlmodells, bei dem Beschäftigte zwischen Lohnerhöhung, Arbeitszeitverkürzung und mehr Urlaub wählen können. Insgesamt geht es um rund 160.000 Beschäftigte.

Die Gespräche mit der GDL wurden laut Bahn einvernehmlich auf Dienstag vertagt und finden in Eisenach statt. "Wir sind auf einem guten Weg und kurz vor dem Ziel", erklärte DB-Personalvorstand Martin Seiler.

Auch der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky äußerte sich zuversichtlich zu den Einigungschancen. "Ich gehe davon aus, dass die Verhandlungen am Dienstag abgeschlossen werden können", sagte Weselsky dem "Tagesspiegel" (Montagsausgabe). Er fügte aber hinzu: "Dienstag ist Zahltag, eine weitere Runde wird es nicht geben."

Die Bahn forderte die EVG auf, die Gespräche wieder aufzunehmen. Die EVG habe ein "7-Prozent-Paket" abgelehnt. Das Angebot der Bahn umfasse 6,7 Prozent inklusive Wahlmodell und Erhöhung der betrieblichen Altersvorsorge. "Bei diesem Angebot den Verhandlungstisch zu verlassen, ist nicht nachvollziehbar und verunsichert völlig unnötig unsere Kunden mitten in der Weihnachtszeit", erklärte Personalvorstand Martin Seiler.

Weselsky kritisierte die Warnstreiks der EVG. "Ich glaube, die EVG will auch mal zeigen, dass sie streiken kann", sagte der GDL-Vorsitzende dem "Tagesspiegel". "Dass die Lokführer das können, haben wir ja in der Vergangenheit mehrfach bewiesen."


0 Kommentare