08.12.2018, 18:15 Uhr

Paris (AFP) Erneut Ausschreitungen bei "Gelbwesten"-Protesten in Frankreich

Proteste in Paris. Quelle: AFP/ABDUL ABEISSA (Foto: AFP/ABDUL ABEISSA)Proteste in Paris. Quelle: AFP/ABDUL ABEISSA (Foto: AFP/ABDUL ABEISSA)

Polizei ist massiver präsent und greift früher ein

Brennende Autos und Barrikaden und hunderte Festnahmen: Bei neuen Protesten der "Gelbwesten" in Frankreich ist es am Samstag erneut zu Ausschreitungen gekommen. Brisant war die Lage vor allem in Paris: Dort zündeten Demonstranten Barrikaden und Autos an, schlugen Fensterscheiben ein und lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Beamten waren diesmal allein in der Hauptstadt mit einem Großaufgebot von 8000 Kräften im Einsatz und nahmen bewaffnete Gewaltbereite schon im Vorfeld fest.

Nach einem vergleichsweise ruhigen Auftakt der Demonstrationen wurden die Proteste der "Gelbwesten" in Paris im Verlauf des Tages zunehmend von Gewalt bestimmt. In der Nähe des Boulevards Champs-Elysées bewarfen Demonstranten die Polizei mit Knallkörpern oder Pflastersteinen.

Sie steckten Barrikaden und Autos in Brand. Mehrere Demonstranten versuchten zudem, ein Luxuskaufhaus anzuzünden, wie AFP-Reporter berichteten. Die Polizei drängte die Demonstranten unter Einsatz von Tränengas, Wasserwerfern und Blendgranaten ab. Eine junge Frau wurde mit einer Kopfverletzung zur Behandlung fortgebracht. Auch mehrere Journalisten wurden durch Gummigeschosse verletzt.

Die Sicherheitskräfte hatten ihre Strategie geändert, um einen weiteren "Schwarzen Samstag" zu vermeiden. Am vergangenen Wochenende hatte es bürgerkriegsähnliche Szenen in Paris gegeben, mit mehr als 130 Verletzten allein in der Hauptstadt sowie Sachschäden in Millionenhöhe, auch am Triumphbogen.

Diesmal waren in Paris 8000 Sicherheitskräfte im Einsatz - so viele wie Demonstranten. Zudem griffen die Behörden früher ein und nahmen nach Taschenkontrollen hunderte Gewaltbereite fest, die Messer, Hämmer oder Baseballschläger bei sich führten. Erstmals kamen auch gepanzerte Räumfahrzeuge zum Einsatz.

In Paris blieben zahlreiche Touristen-Attraktionen wie Eiffelturm und Louvre sowie zahlreiche Geschäfte aus Furcht vor Chaos und Plünderungen geschlossen, es waren deutlich weniger Menschen in der Innenstadt unterwegs als normalerweise an Adventssamstagen. Zahlreiche Metrostationen blieben geschlossen, auch Busse und Vorortbahnen fuhren teilweise nicht. Frankreichs Einzelhändler beklagen schon jetzt Umsatzeinbußen in Milliardenhöhe.

Landesweit beteiligten sich nach Polizeiangaben rund 77.000 Menschen an den Kundgebungen, ihnen standen insgesamt 89.000 Sicherheitskräfte gegenüber. Auch außerhalb von Paris kam es zu Gewalt: Unter anderem aus Lyon, Toulouse und Bordeaux wurden Zusammenstöße von Demonstranten mit der Polizei gemeldet.

Die Protestbewegung fordert den Rücktritt von Präsident Emmanuel Macron sowie allgemeine Steuersenkungen, höhere Renten und Löhne. Die bisherigen Zusagen der Regierung reichen den Aktivisten nicht aus. Sie hat unter anderem angekündigt, die geplante Erhöhung der Ökosteuer auf Sprit im kommenden Jahr auszusetzen.

"Gelbwesten"-Proteste gab es auch in Belgien und den Niederlanden. Bei einer Demonstration in Brüssel wurden rund hundert Menschen festgenommen - viele, bevor sie ins Europaviertel gelangen konnten. Auch in Amsterdam und Den Haag gab es kleinere Kundgebungen.

In Deutschland solidarisierte sich die Linkspartei mit den "Gelbwesten": Ihr "Widerstand gegen den neoliberalen und autoritären Kurs" von Präsident Macron sei "berechtigt", hieß es in einem Vorstandsbeschluss. Parteichef Bernd Riexinger hatte noch vor wenigen Tagen vor einer Unterwanderung der Bewegung durch "Ultrarechte" gewarnt.

In Frankreich gingen zudem tausende Menschen friedlich für mehr Klimaschutz auf die Straße. In Paris zählte die Polizei 17.000 Demonstranten, in der Mittelmeerstadt Marseille rund 10.000. Ihnen schlossen sich zum Teil auch "Gelbwesten" an. US-Präsident Donald Trump erklärte sich die "Aufstände in ganz Frankreich" auf Twitter dagegen mit dem Unwillen der Menschen, "Unsummen" für den Klimaschutz zu zahlen.


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