07.12.2018, 22:33 Uhr

Peking (AFP) Chinesische Sonde startet Reise zur Rückseite des Mondes

Der Vollmond Ende November von Rom aus gesehen. Quelle: AFP/Archiv/Laurent EMMANUEL (Foto: AFP/Archiv/Laurent EMMANUEL)Der Vollmond Ende November von Rom aus gesehen. Quelle: AFP/Archiv/Laurent EMMANUEL (Foto: AFP/Archiv/Laurent EMMANUEL)

Weltpremiere ist Teil von Pekings ehrgeizigem Raumfahrtprogramm

China hat die Sonde Chang'e 4 zur Erkundung der Rückseite des Mondes ins All geschickt. Eine Rakete vom Typ Langer Marsch 3B mit dem Mond-Rover an Bord startete am frühen Samstagmorgen (Ortszeit) vom Weltraumbahnhof im südwestchinesischen Xichang, wie die Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Bei einem erfolgreichen Verlauf der Mission wäre China die erste Raumfahrtnation, der eine Landung auf der abgewandten Seite des Mondes gelänge.

Die Weltpremiere ist Teil von Pekings ehrgeizigem Raumfahrtprogramm. Damit werde "ein neues Kapitel bei der Erkundung des Mondes" aufgeschlagen, schrieb Xinhua nach dem Start der Rakete um 02.23 Uhr (Ortszeit; 19.23 Uhr MEZ). Chang'e 4 soll die Rückseite des Mondes um den Neujahrstag herum erreichen.

Die Sonde soll dort wissenschaftliche Experimente vornehmen und das unberührte Terrain erforschen. Die Raumfahrzeuge des chinesischen Mondprogramms sind nach der Mondgöttin Chang'e aus der chinesischen Mythologie benannt. Chang'e 4 ist die zweite chinesische Mondsonde nach der Mission Yutu (Jade-Hase) von 2013.

Die Landung dürfte schwierig werden: Während die der Erde zugewandte Seite des Mondes viele flache Stellen zum Landen hat, ist die Rückseite des Erdtrabanten deutlich schroffer und bergiger. 1959 war es der Sowjetunion gelungen, die ersten Bilder der Rückseite aufzunehmen und damit das Geheimnis um die "dunkle Seite des Mondes" zumindest teilweise zu lüften.

Die Sonde muss nach ihrer Landung unter harten Bedingungen funktionieren. Während der Mondnacht, die 14 Tagen auf der Erde entspricht, sinken die Temperaturen auf bis zu minus 173 Grad Celsius. Während des Mondtages, der ebenfalls 14 Tage auf der Erde dauert, wird es bis zu 127 Grad warm. Die Instrumente müssen diesen Schwankungen standhalten und während der hellen Zeit genug Energie tanken, um die dunkle Zeit zu überstehen.

Yutu war dies gelungen. Nach anfänglichen Problemen untersuchte die Sonde den Mond 31 Monate lang. Der Erfolg der Yutu-Mission hatte dem chinesischen Raumfahrtprogramm einen kräftigen Schub gegeben. Im kommenden Jahr ist der Start einer weiteren Sonde, Chang'e-5, geplant. Sie soll Proben sammeln und zur Erde zurückbringen.

China hat weitere ehrgeizige Ziele in der Raumfahrt: Bis 2021 will Peking eine wiederverwertbare Trägerrakete entwickeln, die mehr Fracht transportieren kann als die Nasa und das private Raumfahrtunternehmen SpaceX. Außerdem plant China einen Stützpunkt auf dem Mond, eine bemannte Raumstation sowie ein Mars-Fahrzeug.


0 Kommentare