30.11.2018, 13:57 Uhr

Berlin (AFP) Flugzeug-Panne bringt Merkels Zeitplan für den G20-Gipfel durcheinander

Bundeskanzlerin Merkel verlässt ihren Flieger in Köln. Quelle: dpa/AFP/Jörg BLANK (Foto: dpa/AFP/Jörg BLANK)Bundeskanzlerin Merkel verlässt ihren Flieger in Köln. Quelle: dpa/AFP/Jörg BLANK (Foto: dpa/AFP/Jörg BLANK)

Kanzlerin verpasst Auftakt - Treffen mit Putin am Samstagmorgen wie geplant

Eine Flugzeug-Panne hat den Zeitplan von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für den G20-Gipfel in Argentinien durcheinandergebracht. Weil ihre Regierungsmaschine wegen eines defekten Elektrobauteils umkehren und in Köln-Bonn landen musste, flog die Kanzlerin am Freitag nach Madrid und von dort mit einem Linienflug nach Buenos Aires. Den Gipfelauftakt verpasste Merkel, ein mit Russlands Staatschef Wladimir Putin geplantes Treffen am Samstagfrüh sollte aber wie geplant stattfinden.

Es habe "zu keiner Zeit Gefahr für Leib und Leben" der Passagiere in der Regierungsmaschine "Konrad Adenauer" bestanden, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz am Freitag in Berlin. Was die Termine der Kanzlerin betreffe, werde vor Ort versucht, die bilateralen Gespräche nachzuholen. Geplant gewesen waren unter anderem Treffen mit Argentiniens Präsident Mauricio Macri und mit US-Präsident Donald Trump.

Wegen der Verspätung verpasste Merkel auch die bedeutenden Arbeitssitzungen zur Lage der Weltwirtschaft und zum konfliktreichen Thema Handel. Bis zu ihrer für den frühen Abend (Ortszeit) erwarteten Ankunft wurde sie von ihrem Wirtschaftsberater Lars-Hendrik Röller vertreten.

Für die Panne am Donnerstagabend war nach Angaben der Luftwaffe der Ausfall einer elektronischen Verteilerbox verantwortlich. Es sei das erste Mal gewesen, dass dieses Bauteil ausgefallen sei, sagte Luftwaffen-Sprecher Oberst Guido Henrich. Einen kriminellen Hintergrund schloss er aus. Durch die Panne fielen beide Funksysteme aus, wie der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Jens Flosdorff, sagte. Daher sei über ein Satellitentelefon kommuniziert worden.

Der Pilot habe angesichts der "höheren abstrakten Gefahr" durch den Funkausfall "sehr umsichtig" gehandelt, hob Flosdorff hervor. Eine mögliche Cyberattacke schloss er aus.

Der A340 der Kanzlerin musste wegen des Vorfalls umdrehen und landete in Köln-Bonn, wo Merkel übernachtete. Am Freitag flog sie dann mit einer stark verkleinerten Delegation nach Madrid - darunter auch Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) - und von dort mit der spanischen Fluggesellschaft Iberia nach Buenos Aires.

Laut Flosdorff stand zwar eine Ersatzmaschine in Berlin bereit, allerdings konnte diese nicht eingesetzt werden, weil durch den Zwischenstopp in Köln-Bonn die maximal erlaubten Flug- und Lenkzeiten der Crew überschritten worden wären.

Die Flugbereitschaft hat zwei Regierungsmaschinen für Langstrecken vom Typ A340. Der zweite Flieger, "Theodor Heuss", sollte laut Flosdorff noch am Freitag nach Buenos Aires starten, um Merkel am Sonntag planmäßig zurückzubringen. Beide A340 seien am Donnerstag gewartet und einsatzbereit gewesen. Die Maschinen würden "sehr regelmäßig" und "sehr sorgfältig" gewartet, hob der Sprecher des Verteidigungsministeriums hervor.

Womöglich bringe der Austausch mit zivilen Fluggesellschaften weitere Erkenntnisse zu dem Vorfall. Zwischen Juni 2016 und Juni 2018 kam es demnach bei VIP-Transporten der Flugbereitschaft zu weniger als zwei Prozent "Totalausfällen". Insgesamt flog die Flugbereitschaft in diesem Zeitraum 5200 Flüge, darunter auch solche zu Trainingszwecken.


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