29.11.2018, 19:11 Uhr

New York (AFP) Trumps Ex-Anwalt gesteht Lügen zu Russland-Affäre

Trumps früherer Anwalt Michael Cohen. Quelle: GETTY IMAGES NORTH AMERICA/AFP/Archiv/Yana Paskova (Foto: GETTY IMAGES NORTH AMERICA/AFP/Archiv/Yana Paskova)Trumps früherer Anwalt Michael Cohen. Quelle: GETTY IMAGES NORTH AMERICA/AFP/Archiv/Yana Paskova (Foto: GETTY IMAGES NORTH AMERICA/AFP/Archiv/Yana Paskova)

Cohen legt Schuldplädoyer ab - Präsident reagiert wütend

Neue dramatische Wendung in der Russland-Affäre rund um Donald Trump: Michael Cohen, der frühere Anwalt des US-Präsidenten, hat sich schuldig bekannt, den Kongress über Kontakte nach Moskau und ein Immobilienprojekt in der russischen Hauptstadt belogen zu haben. Vor einem Bundesgericht in New York legte Cohen am Donnerstag ein entsprechendes Schuldplädoyer ab. Trump reagierte wütend.

Der US-Präsident nannte Cohen "schwach" und warf ihm vor, sein Schuldeingeständnis sei erfunden. Cohens Eingeständnis kam aufgrund einer Vereinbarung zustande, die der einstige Trump-Vertraute mit dem Sonderermittler Robert Mueller schloss. Der 52-Jährige kann dafür auf einen Strafnachlass erhoffen. Cohens Anwalt Lanny Davis kündigte an, sein Mandant werde mit Mueller "weiterhin kooperieren".

Der Sonderermittler untersucht die mutmaßlichen russischen Cyberinterventionen im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 und mögliche diesbezügliche Absprachen zwischen dem Trump-Team und Moskau. In diesem Zusammenhang geht Mueller auch geschäftlichen Aktivitäten Trumps nach, wie aus einem Gerichtsdokument zu Cohens Schuldplädoyer hervorgeht.

Demnach gestand der langjährige Trump-Anwalt, den Kongress im vergangenen Jahr über die Beratungen innerhalb des Trump-Konzerns über das Moskauer Immobilienprojekt und die Kontaktaufnahmen zur russischen Regierung in dieser Angelegenheit belogen zu haben.

Es ist seit langem bekannt, dass der heutige Präsident einen Trump Tower in Moskau bauen lassen wollte. Das Dokument enthüllt aber diverse neue Details über die Projektplanungen.

Zu den von Cohen zugegebenen Falschaussagen gehört demnach, dass das Moskau-Projekt bereits im Januar 2016 beerdigt worden sei. Das Datum ist insofern relevant, als Anfang Februar 2016 im US-Bundesstaat Iowa die erste republikanische Vorwahl zur Kür des Präsidentschaftskandidaten stattfand.

In dem Dokument heißt es, entgegen Cohens ursprünglichen Aussagen sei das Moskau-Projekt im Trump-Konzern bis mindestens Juni 2016 diskutiert worden. Zu diesem Zeitpunkt hatte Trump sich bereits in den Vorwahlen der Republikaner durchgesetzt.

Cohen gab demnach inzwischen auch zu, dass er häufiger mit Trump - in dem Dokument lediglich als "Individuum 1" bezeichnet - und anderen Trump-Mitarbeitern über das Moskau-Projekt beriet, als er gegenüber den Geheimdienstausschüssen des Kongresses angegeben hatte. Cohen habe wegen des Projekts auch zwischenzeitlich eine Reise nach Moskau erwogen.

Trumps Ex-Anwalt habe "inhaltlich falsche, erfundene und betrügerische" Aussagen gemacht, konstatierte Mueller. Er habe die Verbindungen zwischen "Individuum 1" und dem Moskau-Projekt heruntergespielt.

Trump sagte dazu vor seiner Abreise zum G20-Gipfel in Buenos Aires, Cohen lüge, um eine reduzierte Strafe zu erhalten. An den Planungen für das Moskau-Projekt sei auch "nichts falsch" gewesen. Es sei ihm erlaubt gewesen, während der Präsidentschaftskampagne seine Geschäfte fortzuführen, argumentierte der Präsident.

Trump gab zugleich die Absage eines am Rande des Gipfels geplanten Treffens mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin bekannt. Als Grund nannte er die aktuelle Zuspitzung des Ukraine-Konflikts.

Cohen, der noch vergangenes Jahr seine absolute Loyalität zu Trump beteuert hatte, gab beim Verlassen des Gerichts keinen Kommentar ab. Er hatte sich bereits im August in anderem Zusammenhang schuldig bekannt, Steuerbetrug begangen und gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung verstoßen zu haben. Dabei ging es um Schweigegeldzahlungen an zwei angebliche frühere Sexpartnerinnen Trumps, den Pornostar Stormy Daniels und das frühere "Playboy"-Model Karen McDougal.

In der Russland-Affäre wiederum hatte es bereits in den vergangenen Tagen dramatische Entwicklungen gegeben. Ein Kooperationsdeal zwischen Mueller und Trumps inhaftiertem Ex-Wahlkampfleiter Paul Manafort kollabierte, weil der frühere Lobbyist das Team des Sonderermittlers belogen haben soll.

Zudem berichtete die "New York Times", Manaforts Anwälte hätten Rechtsvertreter des Präsidenten mit Informationen über die Befragungen ihres Mandanten durch das Mueller-Team versorgt. Trump schloss wiederum nicht aus, dass er Manafort begnadigen könnte.


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