29.11.2018, 15:36 Uhr

Frankfurt/Main (AFP) Vorwurf der Geldwäsche: Ermittler durchsuchen Deutsche Bank

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt am Main. Quelle: dpa/AFP/Boris Roessler (Foto: dpa/AFP/Boris Roessler)Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt am Main. Quelle: dpa/AFP/Boris Roessler (Foto: dpa/AFP/Boris Roessler)

Institut soll Kunden bei Steuerhinterziehung in Übersee geholfen haben

Die Deutsche Bank kommt nicht aus den Schlagzeilen: Am Donnerstag durchsuchten Ermittler mehrere Geschäftsräume der größten deutschen Bank wegen des Verdachts der Geldwäsche. Beteiligt waren etwa 170 Beamte von Staatsanwaltschaft, Bundeskriminalamt, Steuerfahndung und Bundespolizei, wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main mitteilte. Die Ermittlungen richten sich demnach gegen zwei Mitarbeiter der Deutschen Bank sowie "andere bislang nicht identifizierte Verantwortliche des Unternehmens".

Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten vor, Kunden bei der Gründung von "Offshore-Gesellschaften" in Steuerparadiesen geholfen zu haben. Dabei sollen Gelder aus Straftaten auf Konten der Deutschen Bank transferiert worden sein, ohne dass die Mitarbeiter Anzeige wegen des Verdachts der Geldwäsche erstatteten. Hinweise darauf bekamen die Ermittler durch die Auswertung des beim Bundeskriminalamt vorliegenden Datenbestandes der sogenannten "Offshore-Leaks" und "Panama Papers".

Ein internationales Rechercheteam rund um die "Süddeutsche Zeitung" hatte unter dem Titel "Panama Papers" im April 2016 seine Erkenntnisse zur Steuervermeidung und Geldwäsche mittels Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen veröffentlicht. Die Staatsanwaltschaft kritisierte, die Deutsche Bank habe vor Veröffentlichung der "Panama Papers" keine Geldwäscheverdachtsanzeigen eingereicht, obwohl sie seit Beginn der Geschäftsbeziehung mit den Kunden "ausreichende" Anhaltspunkte dafür gehabt habe.

Nach einem Bericht des "Handelsblatt" sollen sich die Taten auch noch nach dem Jahr 2016 und damit nach der Veröffentlichung der "Panama Papers" fortgesetzt haben und bis in dieses Jahr reichen. "Die Ermittlungen beziehen sich mindestens auf einen Zeitraum von 2013 bis 2018 und laufen seit August 2018", sagte Nadja Niesen, Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft, der Zeitung (Freitagsausgabe).

Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Freitagsausgabe) berichtete, durchsuchten die Ermittler auch Vorstandsbüros. Dadurch erhofften sie sich Hinweise auf mögliche weitere Verantwortliche. Vorstände seien aber nicht befragt worden.

Über eine zur Deutschen Bank gehörende Gesellschaft mit Sitz auf den britischen Jungferninseln sollen allein im Jahr 2016 über 900 Kunden mit einem Geschäftsvolumen von 311 Millionen Euro betreut worden sein. Die Bank bestätigte die Durchsuchungen im Zusammenhang mit den "Panama Papers" und erklärte: "Wir werden mit den Behörden vollumfassend kooperieren." Dem "Handelsblatt" zufolge soll die Razzia auch noch am Freitag andauern.

Die Deutsche Bank steht derzeit im Fokus der Bankenaufsicht Bafin, weil sie laut Behörde nicht genügend gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung unternimmt. Deshalb schickte die Bafin Ende September Wirtschaftsprüfer der KPMG als Sonderbeauftragte, die dem Institut bis 2021 auf die Finger schauen sollen.

Eine der großen Fragen ist die Rolle des Geldhauses im Geldwäscheskandal um die Danske Bank. Deren estnische Filiale soll dutzende Milliarden Euro zweifelhaften Ursprungs aus Russland ins globale Finanzsystem eingespeist haben. Unter anderem die Deutsche Bank hat für die Filiale Auslandsüberweisungen abgewickelt.

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) bestärkte die Behörden darin, konsequent vorzugehen. "Das Recht gilt für alle, auch für alle Banken", sagte Barley der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Freitagsausgabe). "Hier geht es um massive Ungerechtigkeiten zulasten von uns allen. Wer sich da schuldig gemacht hat, muss sich dafür verantworten", sagte Barley.


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