28.11.2018, 18:37 Uhr

London (AFP) London: Großbritannien nach Brexit in jedem Fall wirtschaftlich schwächer

Theresa May steht im Parlament Rede und Antwort. Quelle: UK PARLIAMENT/AFP/Jessica TAYLOR (Foto: UK PARLIAMENT/AFP/Jessica TAYLOR)Theresa May steht im Parlament Rede und Antwort. Quelle: UK PARLIAMENT/AFP/Jessica TAYLOR (Foto: UK PARLIAMENT/AFP/Jessica TAYLOR)

Regierung und Bank of England warnen vor hartem Brexit

Großbritannien wird nach Einschätzung der britischen Regierung nach dem Brexit auf jeden Fall wirtschaftlich schlechter dastehen als bisher. Besonders drastisch wäre der Einbruch laut einer am Mittwoch veröffentlichten Regierungsanalyse bei einem ungeregelten EU-Austritt ohne Abkommen: Das Bruttoinlandsprodukt würde dann in den kommenden 15 Jahren um 9,3 Prozent geringer ausfallen als bei einem Verbleib in der EU. Doch selbst mit einem Austrittsvertrag würde die Wirtschaft schrumpfen.

Der 83 Seiten lange Bericht der britischen Regierung analysiert eine Reihe von Szenarien für den Brexit: Im besten Fall - ein von London gewünschter reibungsloser Fortgang des Handels und unveränderte Einwanderungsbedingungen - würde die Wirtschaft um 0,6 Prozent weniger wachsen. Ohne Zuwanderung und mit Einschränkungen beim freien Handel durch den Austrittsvertrag läge dieser Wert demnach bei 3,9 Prozent.

"Die Analyse zeigt nicht, dass wir in der Zukunft ärmer sein werden als heute", sagte Premierministerin Theresa May am Mittwoch in der wöchentlichen Fragestunde im Parlament. Sie zeige jedoch, dass Großbritannien mit der mit der EU verhandelten Austrittsvereinbarung "besser dran" sei.

Nach der Annahme des Brexit-Abkommens durch die verbleibenden 27 EU-Staaten am vergangenen Sonntag wirbt Großbritanniens Regierungschefin im eigenen Land um Unterstützung. Die Parlamentsabstimmung über das Abkommen ist für den 11. Dezember angesetzt. Es ist völlig offen, ob May eine Mehrheit für den Austrittstext findet.

Die Bank of England warnte am Mittwoch im Falle eines harten Brexit vor einem Wertverlust des britischen Pfunds um bis zu 25 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt könnte unter diesen Umständen demnach bereits im ersten Quartal 2019 um acht Prozent sinken.

Der britische Finanzminister Philip Hammond warb um Zustimmung für das mit der Europäischen Union geschlossene Brexit-Abkommen. Die vorliegende Vereinbarung sei unter den gegebenen Umständen die für Großbritannien kostengünstigste, sagte Hammond. Aus rein wirtschaftlicher Sicht habe der Brexit zwar seinen Preis, räumte Hammond in der BBC ein. "Das was die Premierministerin macht, ist, die Kosten zu minimieren."

Der Austrittsvertrag war in 17-monatigen schwierigen Verhandlungen zwischen Brüssel und London ausgearbeitet worden. Er sieht eine Übergangsphase bis Ende 2020 vor, in der Großbritannien im EU-Binnenmarkt und in der Zollunion bleibt. Hammond sprach in der BBC von "sehr moderaten Auswirkungen" auf die britische Gesamtwirtschaft durch das Abkommen, das somit der "beste Weg ist, die EU zu verlassen".


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